| 3. Buch. Die Staatsausgaben.
es leistet demnach präventive Dienste (si vis pacem, para bellum).
3. Das Heer befördert die physische Entwicklung der Jugend.
4. Das Heer ist für einen großen Teil der Bevölkerung eine nütz-
liche Bıldungsanstalt, welche allgemeine und fachliche Kenntnisse
befördert und Fähigkeiten entwickelt. 5. Die mit der Kriegführung
zusammenhängenden Wissenschaften, Geographie, Technik, Chemie,
Physik, Geschichte, werden gefördert (wissenschaftliche Institute,
militärische Schulen, Sammlungen, Expeditionen, Laboratorien usw.).
Im Weltkriege wurden kriegswissenschaftliche Sektionen in den
Kriegsministerien organisiert und in der Tat hat die Heeresver-
waltung sich für die verschiedensten wissenschaftlichen Probleme
— vielleicht manchmal sogar mit übertriebenem Eifer — befaßt.
6. Große Wichtigkeit hat das Heer infolge seiner vielfältigen Be-
dürfnisse für die Hebung der Produktion und namentlich der In-
dustrie; der sichere Absatz ist ein wichtiges industrieförderndes
Moment. Die Militärverwaltung hat wichtige Erfindungen angeregt,
hat zu allen Zeiten der Vervollkommnung der Kommunikation große
Aufmerksamkeit zugewendet, hat sich für die soziale Fürsorge und
für den sozialen Frieden interessiert usw. Diesen durch das Heer
gebotenen indirekten Vorteilen stehen aber auch manche Nachteile
gegenüber: 1. Ein großer Teil und zwar der produktivste Teil der
Bevölkerung wird der produktiven Tätigkeit entzogen‘). 2. Die in
den Reihen der Soldaten auftretenden Krankheiten werden oft nach
ihrer Rückkehr in die Heimat zu einer allgemeinen Gefahr. 3. Die
Reibungen zwischen Militär und Zivil erschüttern oft den bürger-
lichen Frieden und gefährden die friedliche Zusammenwirkung der
sozialen Schichten. 4. Die Gefahren des sogenannten Militarismus,
wie die politischen Aspirationen der Heeresangehörigen, die soge-
nannte Soldateska, Boulangismus, oder, wie sich die Entente liebens-
würdig ausdrückte, die Hunnengefahr, endlich alle verschiedenen
Erscheinungen des zur Übermacht gewordenen Militärstandes.
Was insbesondere den Einfluß der Heeresverfassung auf die
Kosten der Heeresverwaltung betrifft, so ist hier vor Augen zu
halten, daß jeder Vergleich hinkt, da die Verhältnisse zu ver-
schieden sind. Das freiwillig angeworbene englische Heer war kost-
spieliger als das auf der allgemeinen Wehrpflicht beruhende Sy-
stem; nun benötigt aber ein Staat, der eine große Kolonialpolitik
befolgt, berufsmäßige und lange dienende Soldaten. Hierzu eignet
1) Rodbertus akzeptiert dies nicht, denn die Maschinen, die Millionen von
Arbeitskräften repräsentieren, lassen diesen Ausfall in der Produktion kaum
We (Kozak, Rodbertus-Jagetzow’s sozialökonomische Ansichten, Jena
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