fullscreen: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

gebend hervorträte; aber sie sind von einem Verstände durch- 
dningon, dem es nicht leicht begegnet, über der einen An 
schauung eine andere zu vergessen und so sichtbare Widersprüche 
entstehen zu lassen. Auch dem Verfasser des Völkerreichthums 
hat man den Vorwurf gemacht, sein Werk sei kein System, 
sondern nur eine Reihe von Abhandlungen. Derselbe Mangel 
an Urtheil, welcher zu solchen Ansichten führen konnte, würde 
nun freilich bei Hume gar nichts bemerken lassen, was auf 
innere Systematik deutete. Indessen haben wir es mit solchen 
schiefen Ideen, die das System im Schnörkelwerk der Rubriken 
suchen und durchaus ein scholastisches Gerippe haben wollen, 
in unserer Geschichte gar nicht zu thun. 
Schon der Umstand, dass der Aufsatz über den Handel die 
Einleitung der ganzen Reihe bildet, ist bezeichnend. Hume 
betont die wohlthätige Seite in der Rolle des Handels sehr 
stark, indem er in dem Aufsatz über den Zins die Kaufleute 
‘ die „nützlichste Menschenart“ nennt. Die Einseitigkeit dieser 
eigenthümlich Englischen oder überhaupt vom Standpunkt eines 
Handelsstaates begreiflichen Auffassung wird jedoch durch den 
hinzugefügten Grund sofort gemässigt. Jener hohe Nutzen soll 
nämlich darin bestehen, dass die sonst unmögliche Vermittlung 
zwischen denen, die etwas auszutauschen haben, hergestellt 
werde. Hierin liegt offenbar auch die Schranke angedeutet; 
denn der Handel hat nach dieser Idee nur dadurch wohlthätige 
Wirkungen, dass seine Verrichtungen den gegenseitigen Ver- 
kehrsbodürfnissen und dem natürlichen Gange der Production 
folgen. Dennoch ist aber nicht zu verkennen, dass Hume noch 
ein wenig im Sinne eines feineren Mercantilismus denkt, und 
man kann ihn daher als denjenigen bezeichnen, der in seinem 
Gedankenkreis die zum Industriesystem übergehende, aber noch 
nicht gehörig entwickelte Vorstellungsart repräsentirt. Dies 
zeigt sich sogar auch in der Art, wie er trotz seiner erheblichen 
Aufsclilüsse über die gröbere mercantile Betrachtung des Geldes, 
dennoch den Leitfaden des letzteren bei seinem Denken überall 
festhält und sich nirgend zu einer methodischen Naturalbetrach 
tung der Verhältnisse entschliesst. 
Könnten einzelne Sätze entscheiden, so würde unser Schotti 
scher Metaphysikor allerdings schon die wichtigsten Einsichten 
dos Smithschon Systems vorweggenommen haben. ,,Alles in 
der Welt”, sagt er, „wird um Arbeit gekauft, und unsere Bo-
	        
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