Metadata: Material zur Lage der Bergarbeiter während des Weltkrieges

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auch sind sie alle wieder angefahren, aber die Erregung über un 
erschwingliche Nahrungsmittelpreise und Fettmangel hat weitere 
Belegschaftsteile ergriffen. Unterschätzung der Erregung könnte 
verhängnisvoll werden. Arbeiterausschüsse haben Lohnforde 
rungen gestellt und fordern billigere Nahrung. Auf Grube 
König war der Arbeiterausschuß vorige Woche vorstellig, aber 
keine positiven Zugeständnisse. Nächste Tage wollen die anderen 
Arbeiterausschüsse vorstellig werden. Ernährungsverhältnisse 
tatsächlich unhaltbar. Werden sehr erschwert durch Verbot der 
Nahrungsmittelausfuhr aus der benachbarten Rheinpfalz. Ab 
hilfe sehr dringend nötig. In den Zeitz-Weißenfels-Altenburger 
und Leipziger Braukohlenrevieren besteht eine große Unzufrieden 
heit unter den Bergleuten. Ueberall besteht Fleisch- und Fett- 
mangel sowie ungeheuere Teuerung. Löhne sind dementspre 
chend zu niedrig. Die Verteilung der Lebensmittel läßt viel zu 
wünschen übrig. Im Leipziger Revier gibt es pro Woche und 
Kopf 126 Gramm Fleischwaren, einschließlich Fett. Wochenlang 
hat dies aber auch gefehlt. In Zeitz ist es den Arbeiterfrauen 
auch nicht möglich, Fleisch zu erwerben. Beim Verkauf von 
minderwertigem Fleisch stellten sich die Frauen schon in der Nacht 
zum 20. Mai am Schlachthause auf. Hunderte von Frauen be 
kamen trotz stundenlangen Wartens für ihre schwerarbeitenden 
Männer kein Fleisch. Im Mansfelder Bergrevier ist die Un 
zufriedenheit der Arbeiter auch sehr groß. Löhne sehr niedrig. 
Lebensmittel und besonders Fettwaren sehr teuer und knapp. 
Es sind ernstliche Differenzen zu befürchten. Die Arbeiter des 
Braunkohlenwerks Holzhausen bei Cassel fordern auch eine Lohn 
erhöhung, da sie bei den jetzigen Lebensmittelpreisen nicht mehr 
auskommen. Die Belegschaft der Erzgruben Quäck und Floren 
tine in Braunfels bei Wetzlar beklagt sich über niedrige Löhne. 
Es werden noch Hauerlöhne von 4 Mark und weniger pro Schicht 
bezahlt. Die Erzpreise sind aber bedeutend gestiegen. Eine im 
Juli 1916 an die Grubendirektion gerichtete Lohneingabe wurde 
nicht beantwortet. Die Löhne im Nassauer Bergrevier sind so 
niedrig, daß die Bergleute beständig fleischlose Tage haben. 
Der Vorstand des Verbandes der Bergarbeiter Deutschlands. 
Sachse. 
Folgende Eingabe betreffend Gewährung einer Teuerungs 
zulage an die Bergarbeiter der Grube Quäk und Florentine (Bez. 
Coblenz) richtete unsere Verbandsleitung an die Deutsch-Luxem 
burgische Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft in Bochum:
	        
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