D. I. Abschnitt. Direkte und indirekte Steuern. 5
dieser Gegenstände zu Gewinn kamen. Im Altertum und ganz
besonders im Mittelalter entwickelte sich die indirekte Steuer aus
der Gebühr, was der privatrechtlichen Auffassung des Mittelalters
entsprach; nach gewissen Waren wurden Steuern gezahlt, weil der
Verkehr derselben die Inanspruchnahme gewisser öffentlicher In-
stitutionen erforderte; Wege, Brücken mußten gebaut werden,
andere Einrichtungen mußten geschaffen werden usw. Anderer-
seits entwickelte sich die indirekte Steuer auch aus den mittel-
alterlichen Naturalleistungen und Geschenken, namentlich in den
Städten, wo die Geldwirtschaft früher zum Durchbruch kam.
Welche Argumente also auch gegen die indirekten Steuern ins
Feld geführt werden, ihre proteusartige Natur sichert ihnen eine
große Wichtigkeit in jedem Steuersystem noch für lange, da sie
mit den divergierendsten volkswirtschaftlichen Auffassungen zu
vereinbaren sind. Dies sicherte ihren Bestand in allen Epochen
der Geschichte und gewiß auch für die Zukunft in den modernen
Staatengebilden.
Das Gesagte zusammenfassend, können wir sagen, daß der
Vorteil der indirekten Steuern eben aus ihrer Indirektheit
folgt und sich auch auf diese beschränkt.
6. Nachteile der indirekten Steuern. Von den Nachteilen
der indirekten Steuern ist hervorzuheben, daß sie den Postulaten der
Volkswirtschaft nur wenig entsprechen, denn -es läßt sich kaum ein
System der indirekten Steuern ersinnen, welches den freien Lauf des
wirtschaftlichen Lebens nicht stören würde, welches nicht in den Gang
der Produktion, des Verkehrs, der Konsumtion eingreifen würde.
Die im Interesse der Mehrung der staatlichen Einnahmen organisierte
Kontrolle macht den Staat gewissermaßen zu einem Hauptfaktor
der Produktion, etwa zum stillen Gesellschafter; der Staat fordert
im Interesse seiner Einnahmen besondere Einrichtungen, was oft
mit großen Kosten verbunden ist, die den Preis der Produkte,
Fabrikate belasten; oft regelt der Staat sogar die Menge der
zu produzierenden Waren, bestimmt die zu verwendenden Roh-
produkte usw.; die Produktion wird oft. an gewisse Zeiten gebunden;
die Kontrolle ist Tag und Nacht tätig; der Staat bestimmt die
Art und Weise der Inverkehrssetzung, den Zeitpunkt, die Wege,
die Quanten, die Art und Weise, wie dieselben in Verkehr zu bringen
sind, wo sie zu verschleißen sind, unter welchen Bedingungen usw.;
er schreibt die Art und Weise der Führung der Geschäftsbücher usw.
vor; fordert alle möglichen Nachweise, Statistiken, Mitteilungen usw. ;
mit einem Wort, das finanzielle Moment prägt diesen Unter-
nehmungen seinen Charakter auf und verändert gänzlich die Natur
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