IX. MARKTORGANISATIONEN 277
größerer Preisschwankungen ein Margin for wariations in the
market eingefordert werden kann. Solche Nachforderungen werden
nicht selten von der Spekulation benutzt, um kapitalsschwächere
Partner zur Positionslösung zu zwingen, sie, wenn sie Leerverkäufer
waren, zu überstürzten Deckungskäufen und dadurch erst recht zur
Hinaufsetzung des Marktpreises zu veranlassen (Schwänze) oder,
wenn sie ä la hauwsse spekulierten, zu Verkäufen zu zwingen und
dadurch zur Verstärkung der Baisse beitragen zu lassen.
Termingeschäfte erscheinen dem Laien lediglich als Spekula-
tionsgeschäfte, denn ihr sichtbares Ziel ist die Ausnutzung der
Preisdifferenzen. Und doch schließt sie der Händler ebenso wie
der Produzent nicht, um zu spekulieren, sondern eben, um sich
gegen das Risiko der Preisschwankung zu schützen. Ein Beispiel
soll dies veranschaulichen: Irgendein Fabriksunternehmen hat die
Lieferung einer größeren Menge seines Fabrikates zu einem festen
Preise für die folgenden sechs Monate übernommen. Die Kalku-
lationsbasıs für diesen Preis war ein Einkaufspreis des Rohstoffes
(oder auch eines Hilfsstoffes) von 12 d per /b; der Produzent kann
sich den Rohstoff für die gesamte Lieferung aus verschiedenen
Gründen nicht sofort beschaffen (Mangel an entsprechender Ware,
der Aufkauf großer Mengen würde den Preis hinauftreiben, Geld-
mangel, Zinsverlust usw.) und läuft daher Gefahr, den Rohstoff
im Falle einer Preissteigerung teurer bezahlen zu müssen als kalku-
liert wurde. Gegen dieses Risiko schützt ihn das Termingeschäft.
Der Fabrikant kauft die gesamte benötigte Rohstoffmenge zunächst
in Terminware zu dem gegenwärtigen Preise von z. B. 10 d (Dek-
kungskauf) und schafft sich nun je nach Marktlage und Bedarf den
benötigten Rohstoff in Effektivware zum jeweiligen Marktpreis ein.
Gleichzeitig mit jedem Kauf von Effektivware verkauft er das
gleiche Quantum Terminware und sichert sich dadurch einen ständi-
gen Bezugspreis von 12 .d für die -Effektivware. Denn steigt der
Marktpreis für die Effektivware auf z. B. 14 d, so. erhöht sich auch
der Terminpreis in annähernd gleichem Ausmaße (auf 12 d), so daß
der Fabrikant beim Verkauf der Terminware 2 d gewinnt, die er
zur Deckung seines Verlustes beim Einkaufe der Effektivware ver-
wendet; fällt anderseits der Marktpreis um 1 d, so bekommt er wohl
die Effektivware billiger als kalkuliert, aber er verliert nun beim
Verkauf der Terminware ld, so daß sich die Effektivware wieder
auf 12 d stellt. Das Termingeschäft diente dem Fabrikanten zur
Sicherung des Preises bei Übernahme einer Lieferung. In der
gleichen Weise benutzt es der Händler beim Eingehen langfristiger
Lieferungsverträge, wie in allen Fällen, in denen ein Zeitunter-
schied zwischen der Fixierung des Einkaufs- und jener des Verkaufs-
preises ein Preisrisiko entstehen läßt. Ja selbst der Großgrund-