II. INSTRUMENTE DES KAUFMÄNN. KREDITVERKEHRS 67
fällt hiebei die Aufgabe zu, die Inkongruenzen in den Zahlungsorten,
Beträgen und Verfallzeiten auszugleichen: eine Bank, die z. B. von
einem Importeur beauftragt wurde, den Betrag seines Warenbezuges
in einer 3-Monat-Devise an den Lieferanten im Auslande zu remit-
tieren, wird diesem Auftrag nicht unmittelbar aus ihrem Devisen-
bestand entsprechen können; sie verfügt aber über ein fälliges
Guthaben im Auslande, das ihr vielleicht für Rechnung eines ihrer
Kommittenten, eines Exporteurs etwa, zur Verfügung gestellt worden
ist, und sie verschafft sich nunmehr die erforderliche Devise durch
Trassierung oder durch Ausschreibung einer Auszahlung.
Die Höhe der Devisenkurse wird dauernd bestimmt durch
die Zahlungsbilanz?) des betreffenden Landes. Ist sie passiv, über-
wiegen die Schulden, so werden mehr Devisen gefragt als angeboten
sein, umgekehrt wird eine aktive Zahlungsbilanz ein größeres De-
visenangebot und ein Fallen der Devisenkurse zur Folge haben.
Doch muß dies nicht immer sofort in die Erscheinung ireten. So
kann ein Land mit passiver Zahlungsbilanz durch Erhöhen des Zins-
fußes die ausländischen Gläubiger veranlassen, ihre Guthaben im
Inlande stehen zu lassen, und sogar das Zuströmen fremder Geld-
mittel bewirken. Hiedurch und durch die Veränderung der ein-
zelnen. Posten der Zahlungsbilanz kann der Passivsaldo ausgeglichen
und die für den internationalen Verkehr schädliche Schwankung
der Devisenkurse vermieden werden. Diese Stabilisierung hat man
auch durch andere Mittel zu erreichen versucht. Die Notenbanken
wurden verpflichtet, ein großes Devisenportefeuille zu führen, das
vielfach auch in die Bardeckung eingerechnet werden kann (Gold.
exchangewährung), ferner Guthaben oder Buchkredite im Auslande
zu unterhalten und hiedurch in die Lage versetzt, bei Nachfrage
nach Devisen als Verkäufer, bei Angebot als Käufer aufzutreten;
dadurch können sie Schwankungen der Devisenkurse verhindern und
den Außenwert der Inlandswährung stabilisieren. Die gleichen Ziele
verfolgten die sogenannten Konversionskassen oder -fonds in ein-
2) Zahlungsbilanz ist die Gegenüberstellung der Schulden und Forde-
rungen eines Landes an das gesamte Ausland. Hingegen ist die Handelsbilanz
lediglich die Gegenüberstellung des Wertes der ein- und ausgeführten Waren.
Die Zahlungsbilanz weist sohin außer dem Aktiv- oder Passivsaldo der
Handelsbilanz noch andere, vielfach nicht minder wichtige Posten des inter-
nationalen Verkehres aus, wie Zinsen, Dividenden, Frachten, Provisionen,
Reiseverkehr, Darlehen, Kapitalsbeteiligungen (diese beiden zumeist in der
Form von Effektenkäufen und -verkäufen), auch Kriegsentschädigungen und
Erbschaften. Man unterscheidet eine Gesamtzahlungsbilanz, auch Forderungs-
oder Verpflichtungsbilanz, und eine Tageszahlungsbilanz; jene umfaßt die
Gesamtheit aller Schulden und Forderungen ohne Rücksicht auf den Zeit-
punkt ihrer Fälligkeiten, hingegen begreift die Tageszahlungsbilanz nur jene
Zahlungen, für die an einem gegebenen Tage Devisen angefordert oder an-
geboten werden.
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