Il. INSTRUMENTE DES KAUFMÄNN. KREDITVERKEHRS 73
die Höhe der Dividende und andere Faktoren bei den einzelnen Ef-
fekten sich ändern, so werden auch die Kurse kleineren oder größeren
Schwankungen ‚unterworfen sein. Obligationen mit stabiler Valuta,
gleichbleibender Verzinsung und Aktien mit ziemlich beständigen Di-
videnden werden nur geringen Kursschwankungen unterliegen und
man wird solche Wertpapiere kaufen, um sein Kapital sicher und
zinsbringend anzulegen; solche Wertpapiere nennt man daher An-
lagepapiere oder Anlagewerte. Hingegen werden Aktien mit stark
wechselnden Dividenden oder Obligationen mit schwankender Valuta
und unsicherer Verzinsung auch starken Kursschwankungen unter-
worfen sein und man kauft daher solche Effekten nicht, um sein
Kapital in denselben bleibend anzulegen, sondern um sie, wenn die
Kurse gestiegen sind, wieder zu verkaufen und so einen Gewinn zu
erzielen; solche Effekten heißen Spiel- oder Spekulationspapiere.
Falls Urkunden ausgegeben werden, bestehen sie ihrem Äußeren
nach, wenn sie Zinsen oder Dividenden tragen, aus einem Bogen
Papier, dem sogenannten Mantel, der den Namen des Effektes sowie
die näheren Bestimmungen der Verzinsung, Rückzahlung und andere
rechtliche Verhältnisse enthält. In diesem Mantel liegt wie in einem
Umschlag der Kuponbogen; er besteht aus einer Anzahl abtrenn-
barer Abschnitte oder Kupons, das sind die auf einen bestimmten
Tag lautenden Anweisungen zur Auszahlung der halb- oder ganz-
jährigen Zinsen (Zinsschein) bzw. Dividenden (Dividendenschein);
ist der Verfalltag des Kupons gekommen, so wird dieser abgetrennt,
detachiert, und bei der angegebenen Zahlstelle zur Einlösung präsen-
tiert. Zur Vereinfachung der Manipulation werden Effekt und Kupon-
bogen auch getrerint als besondere Blätter ausgegeben.
Bei Präsentierung des letzten auf dem Bogen befindlichen
Kupons (des sogenannten Stichkupons) wird ein neuer Kuponbogen
ausgefolgt; zuweilen befindet sich auch am Schlusse des alten
Kuponbogens eine besondere Anweisung — Talon — auf einen
neuen Kuponbogen; in neuerer Zeit pflegt man bei Ausfolgung
neuer Kuponbogen auch neue Mäntel mitzugeben.
Der Emittent, der das Darlehen aufnimmt oder die Aktien aus-
gibt, teilt die gesamte Emission in eine bestimmte Anzahl von
Obligationen oder Aktien und bezeichnet sie mit fortlaufenden Num-
mern; um diese nicht allzu hoch laufen zu lassen, können Serien
gebildet werden, die aus 100 oder 1000 Nummern bestehen,
Die Ausgabe oder Emission der Effekten kann in der Weise er-
folgen, daß der Emittent die Effekten selbst an alle jene verkauft,
die sie kaufen wollen; er kann zu diesem Zwecke eine sogenannte
Subskriptionsliste auflegen, in der sich die Käufer eintragen. Zumeist
wird aber der Emittent diese Arbeit nicht selbst besorgen, sondern
die Emission einer Bank oder einer Gruppe von Banken übertragen