Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Die Grenzen der skeptischen Kritik. 
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auch hier in einem Dämmerlicht befangen: da keine Abbilder 
und Spezies der inneren Vorgänge uns gegeben sind, so vermögen 
wir zwar ihr Sein festzustellen, ihr Wesen und ihre Eigenart 
aber kaum zu bezeichnen, geschweige einzusehen.?) So sehen 
wir, wie hier der Satz von der Selbstgewissheit des Ich durch 
die andere Auffassung gekreuzt wird, nach der alles Erkennen 
durch äussere Zeichen und Bilder, die sich von den Gegenständen 
loslösen, bedingt sein soll. Voller und bestimmter entwickelt wird 
uns dieser Widerstreit in der italienischen Naturphilosophie be- 
gegnen, von der Sanchez auch in seinen speziellen Versuchen der 
Naturerklärung abhängig ist. Die induktive Forschung, der er 
zustrebt und die — wie das Beispiel des antiken Skeptizismus 
zeigt -— durch seine skeptischen Prinzipien als solche noch keines- 
wegs ausgeschlossen war, bleibt bei ihm zuletzt dennoch eine 
blosse Forderung, die sich an keinem Punkte konkret erfüllt. 
Wenn er, um die Unsicherheit der empirischen Naturerkenntnis 
zu kennzeichnen, auf die Erscheinungen des Magneten und die 
mannigfachen widerstreitenden Erklärungen, die von ihnen ge- 
geben werden, verweist,!°) so ist gerade dieses Beispiel geschicht- 
lich lehrreich und bezeichnend: denn gerade der Magnetismus ist 
es, an dem kurz danach die moderne Forschung einsetzt und an 
dem zuerst durch das Grundwerk Gilberts der Uebergang von 
der Naturanschauung der „qualitates occultae“ zur exakten mathe- 
matischen Methodik sich vollzieht. — 
Von einer anderen Seite her stellt sich uns die innere 
Schranke des Skeptizismus in La Mothe le Vayers „Dialogen“ 
dar, die in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts, nachdem die 
neue wissenschaftliche Denkart bereits zum Siege und in der Lehre 
Descartes’ zum philosophischen Ausdruck gelangt war, noch ein- 
mal alle Argumente gegen die Möglichkeit der Erkenntnis in sich 
zusammenfassen.!!) Es ist indes nicht die Natur in ihrem mathe- 
matisch-physikalischen Begriff, sondern die Anthropologie und Ge- 
schichte, bei deren Betrachtung La Mothe le Vayer verweilt und 
der er seine Beweisgründe entlehnt. Das ethnographische und 
psychologische Material, auf das er sich stützt, um die Wandelbar- 
keit und Relativität aller logischen und sittlichen Maassstäbe dar- 
zutun, hat sich noch gehäuft; aber je mehr es in den Mittelpunki 
tritt. um so deutlicher muss ein Grundmangel in seiner Bearbei-
	        
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