Kap. II.
Bevölkerungszunahme und Verteilung.
\8\
langen; darüber hinaus aber wird seine Arbeit nur genügen, um die
einfachsten Bedürfnisse auf die roheste Art zu befriedigen.
Bald kommt ein anderer Ansiedler. Obgleich jede Abteilung der
endlosen Steppe ebensogut ist wie alle anderen, so ist er keinen Augen
blick im Zweifel, wo er sich niederlassen soll. Das Land ist zwar überall
gleich, dennoch ist ein Platz vorhanden, der zweifellos besser für ihn ist
als jeder andere, und das ist da, wo schon ein Ansiedler wohnt und er
einen Nachbarn haben kann. Er läßt sich neben dem Erstgekommenen
nieder, dessen Lage sofort bedeutend verbessert wird, und dem nun vieles
möglich ist, was zuvor unmöglich war; denn zwei Menschen können sich
einander helfen, Dinge zu tun, die ein Mann nie unternehmen könnte.
Ein weiterer Ansiedler kommt, und durch die gleiche Anziehung
geleitet, läßt er sich nieder, wo schon zwei wohnen. Und noch einer
und wieder einer, bis sich an die zwanzig Nachbarn um unseren Lrst-
gekommenen zusammengefunden haben. Die Arbeit hat jetzt eine
Leistungsfähigkeit, die sie in der Einsamkeit nie erreichen konnte. Wenn
ein Stück schwerer Arbeit zu tun ist, haben die Ansiedler einen Rundtag
und verrichten zusammen in einem Tage, was für einen allein Jahre
erfordern würde. Schlachtet einer eine Ferse, so nehmen die anderen
Teile davon, geben sie zurück, sobald sie schlachten, und haben so immer
frisches Fleisch. Sie nehmen zusammen einen Lehrer, und die Rinder
eines jeden werden für einen kleinen Teil der Summe unterrichtet, die
der gleiche Unterricht den ersten Ansiedler gekostet haben würde. Es wird
verhältnismäßig leicht, nach der nächsten Stadt zu senden, denn es geht
immer einer oder der andere hin. Aber solche Reisen sind viel weniger
nötig. Ein Schmied und ein Radmacher errichten Werkstätten, und unser
Ansiedler kann seine Werkzeuge für einen kleinen Teil dessen, was sie
ihn vorher kosteten, reparieren lassen. Ein Laden wird etabliert, und er
kann seinen Bedarf erhalten, wie er entsteht; ein Postbureau kommt
dald hinzu und verschafft ihm regelmäßige Verbindung mit der übrigen
iVelt. Dann kommt ein Schuster, ein Zimmermann, ein Sattler, ein
Arzt, bis endlich eine kleine Kirche gebaut wird. Ls wird möglich, Be
dürfnisse zu befriedigen, die man in der Einsamkeit nicht befriedigen
konnte. Die gesellige und geistige Natur des Menschen, die ihn über das
^ier erheben, finden Genüge. Die Macht der Sympathie, der Sinn
der Geselligkeit, der Wetteifer des Vergleiches und des Gegensatzes
eröffnen ein weiteres, volleres und abwechselnderes Leben. Man freut
sich mit den Fröhlichen und trauert mit den Traurigen. Allerlei gesellige
Vergnügungen werden arrangiert. Obgleich der Tanzsaal nur ein Lehm-
haden und das Orchester nur ein Fidel ist, so sind doch magische Töne
J n ihren Saiten, und Cupido tanzt mit den Tanzenden. Bei der Pochzeit
sind andere da, um zu bewundern und sich zu freuen; im Pause des Todes
fehlt es nicht an Wächtern, und am offenen Grabe steht die menschliche
^FMpathie, um die Trauernden zu stützen. Pin und wieder kommt ein
äsender Vorleser, um Einblicke in die Welt der Wissenschaft, der Künste