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von Papiergeld oder die Kontrahierung der Schuld, welche diese Prosperität
hervorbrachte. Die Regierungspressen druckten allerdings Zahlungsversprechen;
aber Schiffe, Kanonen, Waffen, Werkzeuge, Nahrungsmittel und Kleider konnten
sie nicht drucken. Auch borgten wir diese Dinge nicht von anderen Ländern:
oder von der »Nachwelt«. Die von unseren Flotten und Armeen verbrauchten
und vernichteten Güter kamen von dem damals vorhandenen Qütervorrate. Und
dadurch, daß die vom Kriege veranlaßte Nachfrage produktive Kräfte in Tätig
keit setzte, wurden die enormen Verluste des Krieges nicht allein wieder ersetzt,
sondern der Norden wurde auch reicher. Die Arbeitsvergeudung beim Hin-
und Hermarschieren, beim Graben von Laufgräben, Aufwerfen von Schanzen
und Fechten, von Schlachten, die Vergeudung von Gütern, die unsere Armeen
und Flotten verbraucht oder vernichtet hatten, war nicht so groß, als die be
ständig vor sich gehende Vergeudung unbeschäftigter Arbeit und stillstehender
oder nur teilweise benützter Maschinen. Die Lähmung, welche zu allen Zeiten
produktive Kräfte verschwendet und in Zeiten industriellen Druckes mehr Ver
luste herbeiführt als ein großer Krieg, entspringt aus der Schwierigkeit, welcher
diejenigen, die gerne durch ihre Arbeit ihre Bedürfnisse befriedigen wurden*
in diesem Bestreben begegnen."
Es ist natürlich unmöglich, eine so verwickelte Erscheinung, wie die hier
angedeutete, mit wenigen Worten zu erklären, wohl aber läßt sich andeutungsweise
zeigen, wie man sich die Möglichkeit einer Wohlhabenheitsvergrößerung während
des Krieges überhaupt vorzustellen vermag. Gehen wir aut unser Beispiel in Ta
belle V zurück. Wir setzen einmal vollständige, einmal unvollständige Ausnützung
der Kräfte voraus. Bei vollständiger Ausnützung aller produktiven Kräfte kann
auf die Konsumenten nicht die volle Stückzahl von 100 Gütermengen entfallen,
wenn der Krieg einen Teil absorbiert. Auch im Falle der unvollständigen Produk
tionsausnützung kann im Kriegsfälle oder infolge von Rüstungen eine Herab
setzung des Friedenskonsums stattfinden, es dürfte dies auch der häu
figere Fall sein, es ist aber möglich, daß gleichzeitig der Kriegsverbrauch
gedeckt wird und überdies der Gesamtkonsum steigt, wenn auf irgendeine Weise
die Lähmungen, welche sonst vorhanden sind, verschwinden. Tabelle VI zeigt
uns wieder schematisch, wie diese Veränderungen ziffernmäßig zu denken sind.
Tabelle VI.
Frieden
Krieg
Privat-
Konsum
Kriegs
verbrauch
Privat-
Konsum
Kriegs
verbrauch
Vollständige Ausnützung aller Kräfte
100
95
15
Unvollständige Ausnützung der Kräfte
( Krieg steigert Privat-Konsum und Produktion)
80
95 15
Unvollständige Ausnützung der Kräfte
(Krieg setzt Privat-Konsum herab,
obgleich er Produktion steigert)
80
75
15
Wir sehen aus den bisherigen kurzen Andeutungen, daß die Wirkungen
des Krieges auf die Lebensverhältnisse der Bevölkerung keineswegs gleichartig
sind, sondern grundsätzlich verschieden sein können, je nachdem, ob im krieg-
führenden Staat eine vollständige Wer unvollständige Ausnützung aller produk
tiven Kräfte stattfindet. Es zeigt übrigens diese Betrachtung auch, wie schwer
es ist, über den Krieg ein allgemeines Urteil zu fällen. Daß er in manchen,