thumbs: Theoretische Sozialökonomie

$ 43. Die freien Währungen. 3 
prägtem Metall gegenüber der Verwendung von rohem Metall ursprüng- 
lich zeigte, sowie auch die Nachteile des schwankenden Wertverhält- 
nisses zwischen den beiden Edelmetallen, vollständig überwunden sind. 
Es ist gelungen, sowohl eine „Unveränderlichkeit des Geldes‘ wie auch 
eine „Einheitlichkeit der Währung‘‘ zu erreichen. Es bleibt indessen 
noch übrig zu untersuchen, ob das Binden der Preisskala an das Metall 
Gold eine genügende Stetigkeit der Preisbildung zu verbürgen vermag. 
Es ist ja denkbar, daß das Gold, wenn man von der formellen Fest- 
legung seines Preises in der Goldwährung absieht, bedeutenden Wert- 
schwankungen im Verhältnis zu den übrigen Waren unterworfen ist, 
was natürlich dann in der Goldwährung in entsprechenden Schwan- 
kungen der Warenpreise zutage treten würde. Diese Frage, die wir 
hier nicht einmal scharf formulieren können, werden wir im elften Ka- 
pitel zum Gegenstand einer eingehenden Untersuchung machen. Wie 
aber schon angedeutet worden ist, hat die Goldknappheit am Ende des 
neunzehnten Jahrhunderts einen allgemeinen Preisfall in der Goldwäh- 
rung hervorgerufen. Diesem Preisfall wollte der Bimetallismus durch 
Beseitigung der Goldwährung und Schaffung einer mit Zahlungsmitteln 
reichlicher versorgten Währung entgegenarbeiten. Im Anfang des 
zwanzigsten Jahrhundert hat die sehr gesteigerte Goldproduktion die 
Goldwährungspreise wieder steigen lassen. Damit war das Bedürfnis, 
dem der Bimetallismus nachgeben wollte, wenigstens für den Augen- 
blick beseitigt. Die Goldversorgung war reichlich genug, um der Welt 
die Goldwährung und den Goldumlauf ohne Druck auf die Preise, ja 
sogar bei steigenden Preisen zu ermöglichen. Wenn in der Zukunft dies 
nicht länger der Fall sein sollte oder wenn umgekehrt zu viel Gold auf 
den Markt kommen sollte, dann würden wir aber vor einer währungs- 
politischen Frage stehen, die von viel allgemeinerer und tiefgehenderer 
Bedeutung ist, als daß sie durch ein Zurückgreifen auf bimetallistische 
Ideen ihre Lösung finden könnte. 
8 43. Die freien Währungen. 
Die metallische Währung, die die Preisskala durch Festlegung des 
Preises eines Metalls fixieren will, ist nicht die einzige Lösung des 
Problems der Stabilisierung der Preisskala. Die Erfahrung hat schon 
durch eine Reihe von Beispielen gezeigt, daß eine gewisse Stabilisierung 
der Preisskala auch ohne ihr Binden an ein Metall oder überhaupt an 
irgendeine Ware erreicht werden kann. 
Die Fixierung der Preisskala erfolgt, wie wir wissen, immer durch 
Bestimmung eines Zahlungsmittels, das in der Preisskala unbeschränkte 
gesetzliche Zahlungskraft haben soll. Eine notwendige Bedingung für 
die Stabilität der Preisbildung ist offenbar eine gewisse quantitative 
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