Full text : Theoretische Sozialökonomie

;
strebungen vereinigten sich Kreise, die in der zunehmenden Goldknappheit
 und in dem dadurch ohne Zweifel zum Teil mit veranlaßten allgemeinen
 Preisfall einen Beweis der Unzulänglichkeit des Goldes als
leinigen Währungsmetalls sahen. Diese Bestrebungen gipfelten in der
Forderung auf eine Wiederherstellung der Doppelwährung auf internationaler
 Grundlage. Diese breitere Basis der Doppelwährung würde,
meinte man, dem augenblicklich auf dem offenen Markt weniger nachefragten
 der beiden Metalle eine so weite monetäre Verwendung
sichern, daß beträchtliche Schwankungen im Wertverhältnis zwischen
old und Silber vermieden werden würden.‘
Man hat dieses Programm der internationalen Doppelwährung als
Bimetallismus bezeichnet. Der Bimetallismus ist ein Versuch, das
roblem der einheitlichen Währung auf Grund zweier Währungsmetalle
u lösen. Die Möglichkeit einer solchen Lösung ist zum großen Teil
eine politische Frage, die hier nicht diskutiert werden kann. Es unterliegt
 wohl keinem Zweifel, daß eine sehr bedeutende Stabilisierung des
Wertverhältnisses zwischen Gold und Silber erreicht werden würde,
wenn wirklich die ganze Welt sich auf ein bimetallisches System einigen
önnte. Ob diese Stabilisierung auch hinreichend sein würde, um die
eiden Metalle stets nebeneinander im ‘Umlauf zu erhalten, bleibt immerhin
 eine offene Frage. Es muß also dahingestellt bleiben, inwieweit der
imetallismus als eine praktisch befriedigende Lösung des Problems
der einheitlichen Währung angesehen werden kann.
Sicher ist, daß der Bimetallismus unter dem Druck zufälliger Verhältnisse
 in der Währungsfrage ein Moment eingeführt hat, das dem
ährungsproblem im Grunde genommen fremd ist. Unsere allgemeine
Behandlung des Preisbildungsproblems hat gezeigt, daß die Preise im
roßen und ganzen bis auf einen multiplikativen Faktor bestimmt sind.
Daraus folgt, daß ein Preis beliebig festgelegt werden kann. Eine
neue Bedingung muß hinzukommen, damit das Problem der Preisildung
 vollständig bestimmt wird. Diese Bedingung, die die Fixierung
der Preisskala bedeutet, kann verschiedene Formen annehmen, von
welchen die Festlegung des Preises einer gewissen Ware eine ist. Dieser
Methode bedient sich die Goldwährung; ebenso die Silberwährung.
je Doppelwährung aber bedeutet den Versuch zwei Preise festzulegen,
d. h. erstens, den absoluten Preis einer Ware, zweitens, das Preisverältnis
 zwischen zwei verschiedenen Waren. Die letzte Aufgabe, die
estlegung des Wertverhältnisses zwischen zwei Waren, fällt aber
ffenbar ganz außerhalb des Gebietes des Geldwesens und muß, wenn
sie mit der Währungsfrage verbunden wird, diese Frage in hohem Grade
komplizieren, ihre Wesentlichkeiten verdunkeln.
Mit der Goldwährung ist die Entwicklung des Münzwesens insofern
abgeschlossen, als wir zu einer Lösung des Münzproblems gekommen
sind, durch welche die beiden Nachteile, die die Verwendung von ge-358


            
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