fullscreen: Der Weltverkehr und seine Mittel

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Die Weltwirtschaft. 
schaftssystem, das trotz seiner Einfachheit heute noch zu den verbreitetsten der Erde zählt 
und ganz Zentralafrika, das Innere von Süd- und Mittelamerika, die australische und 
ostindische Inselwelt, sowie einen großen Teil Hinterindiens und Ostasiens beherrscht. 
Auf der anderen Seite schreitet der Mann bei verbesserter Ausrüstung und plan 
mäßigem Betriebe zu ergiebigerer Ausübung von Jagd und Fischfang vor. Die 
Sicherung des Besitzes der Jagdgründe und Gewässer, die gemeinsame Veranstaltung 
von Jagden und Fischzügen unter Anwendung entwickelterer Fangarten, die Verteilung 
der dabei gewonnenen Beute bedingen ein geregeltes Zusammenwirken vieler, eine Or 
ganisation der Arbeitsgemeinschaft und werden damit von größter Bedeutung für die 
Ausbildung politischer Gemeinschaften. Das Trocknen und Räuchern des Fleisches und 
der Fische wird bereits geübt. Die Zähmung von Haustieren und die Viehzucht geht 
wohl gleichfalls von dem jagenden, herumschweifenden Manne aus. Doch besitzt sie für 
die Nahrungsmittelproduktion der Naturvölker im allgemeinen eine untergeordnete Be 
deutung. Maßgebend für die Zähmung von Tieren scheint nicht ihr Nutzen sondern das 
Vergnügen gewesen zu sein. Der brasilianische Indianer zähmt und hält die ver 
schiedensten Tiere, ohne irgend einen Nutzen von ihnen zu ziehen, rein seines Vergnügens 
wegen, so daß seine Hütte oft wie eine Menagerie aussieht, und in ähnlicher Weise nützen 
manche afrikanische Negerstämme, welche ganze Rinderherden besitzen, die Rinder weder 
als Zug- noch als Schlachtvieh, manche genießen sogar ihre Milch nicht. Der Rinder 
besitz ist ihnen lediglich „Repräsentant des Reichtumes und Gegenstand einer geradezu 
schwärmerischen Verehrung" — bloße Liebhaberei. Jedenfalls hat die Viehhaltung auch 
dort, wo sie Hauptnahrungsguelle geworden ist, ihren Ausgang von der Zähmung der 
Tiere zum Vergnügen genommen. 
Ebenso sind auch andere Beschäftigungen, die über die bloße Nahrungssuche hin 
ausgehen, weniger dem Bedürfnisse und überlegendem Streben nach seiner Befriedigung, 
als dem Nachahmungs- und Spieltriebe entsprungen, wie wir ihn auch bei Tieren finden. 
Gewerbliche Thätigkeit scheint allerorten auszugehen von der Körperbemalung, der 
Tättowierung oder Durchbohrung von einzelnen Körperteilen, um nach und nach fortzu 
schreiten zur Herstellung von Schmuck und Zierat. Die Buschmänner in Südafrika, die 
heute noch das Dasein eines auf der untersten Stufe befindlichen niederen Jägervolkes 
führen, verzieren Höhlenwände und Felsblöcke mit roh in den Stein geschnittenen Tier 
bildern. Die Töpferei, die Holzbearbeitung und die Flechtkunst beginnen mit der Her 
stellung von Tier- und Pflanzenfiguren, und in den Formen verschiedener Gebrauchs 
gegenstände, wie Töpfe, Schemel u. a., zu deren Erzeugung man später überging, kommt 
vielfach noch die Tier- oder Pflanzengestalt zum Ausdruck. 
Dabei wird die aus der Zeit der individuellen Nahrungssuche überkommene Zwei 
teilung der Arbeitsgebiete bei allen übrigen Thätigkeiten ebenso festgehalten wie 
beim Nahrungserwerbe. Gleich dem Ackerbaue ist alles, was mit der Gewinnung und 
Zubereitung von Pflanzenstoffen zusammenhängt, Sache der Frau. Sie besorgt das 
Mahlen oder Stoßen des Getreides, das Backen des Brotes, die Verfertigung der Thon 
geschirre zum Kochen und den Bau der Hütte aus trockenem Stroh oder Gras. Dagegen 
fällt dem Manne neben dem Fischfänge, der Jagd und Viehzucht die Herstellung von 
Waffen und Geräten dafür, die Bearbeitung von Tierknochen und Häuten, der Bau des 
Bootes zu. Die Teilung geht so weit, daß bei manchen Stämmen das Braten des 
Fleisches nur vom Manne besorgt wird, und daß eine Frau ein Rind nicht berühren, 
das Melken der Kühe nicht vornehmen darf. Spinnen, Weben und Flechten sind, wohl 
nach der Verschiedenheit des ursprünglich dazu verwendeten Materiales, bald dem einen, 
bald dem anderen Geschlechte zugeteilt. Immer aber wird die übliche Teilung streng ein 
gehalten; sie überträgt sich auch auf den Konsum, indem religiöse Speiseverbote dem einen 
Geschlechte den Genuß bestimmter Nahrungsmittel untersagen, ein gesondertes Bereiten der 
Mahlzeiten, abgesondertes Essen und Wohnen der einzelnen Personen des Haushaltes sich 
findet: lauter Reste aus der Zeit der individuellen Nahrungssuche, wo jeder für sich, oft 
heimlich und versteckt vor dem anderen seine Nahrungsbedürfnisse zu befriedigen suchte.
	        
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