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Als hauptsächlichste Kreditquelle während des Krieges dienten die »War Loanse,
deren erste am 7. November 1914 ausgegeben wurde. Die Anleihe erbrachte nur
331,8 Müll. £, obwohl mehr als ein Viertel der gezeichneten Beträge als Bankzeichnungen
anzusprechen waren und die Bank von England zur Unterstützung langfristige Kredite
in Höhe der zur Zeichnung erforderlichen Beträge zu günstigstem Zinssatz einräumte.
Die Einzahlungsfristen waren über die Zeit vom November 1914 bis April 1915 verteilt
und der Zinssatz bei einem Zeichnungspreis von 95% auf 31/2 °/o festgesetzt worden.
Die Anleihe wurde an ihrem planmäßigen Fälligkeitstermine im Jahre 1928 zurück-
gezahlt,
Die am 11. Juni 1915 angebotene zweite Kriegsanleihe war mit einem höheren Zins-
‚uß: 4*/2 % ausgestattet und wurde zu pari begeben. Die Barzeichnungen ergaben etwa
590 Mill. £ einschließlich Bankzeichnungen, die etwa ein Drittel‘ dieses Betrages aus-
machten. Neben der Barzeichnung war aber auch die Zeichnung durch Einreichung von
Stücken der 2*/sprozentigen Konsols, der 2%- und 2*/sprozentigen »Annuities« sowie der
arsten 3*/sprozentigen War Loan — letzterer gegen ein besonderes Aufgeld von 5% —
vorgesehen. Der Erfolg der zweiten Kriegsanleihe wurde insbesondere neben einer ver-
stärkten Pressepropaganda durch ein Zugeständnis gesichert, das allen Zeichnern das
Recht der Konvertierung der Stücke der zweiten Kriegsanleihe in jede spätere Kriegs-
anleihe — auch wenn sie mit höherem Zinssatz ausgestattet sein sollte — zum Parikurse
zubilligte. Den größten Erfolg erzielte die dritte Kriegsanleihe, die am 11. Januar 1917
in zwei Tranchen zur Zeichnung angeboten wurde. Die erste Tranche trug 5%. Zinsen,
war der Einkommensteuer unterworfen und wurde zum Preise von 95%, aufgelegt. Die
zweite 4prozentige Tranche war von der Einkommensteuer befreit und hatte einen Aus-
gabekurs von 100%. Die Steuerbefreiung der zweiten geringer verzinslichen
Tranche sollte besonders zur Zeichnung anreizen, erbrachte jedoch im Verhältnis zur
steuerpflichtigen Tranche nicht den erhofften Erfolg. Am deutlichsten geht dies aus fol-
gender Übersicht hervor:
"ana
In 1000 £
Barzeichnung ......
Konversionen............ 4.
davon:
1.41/,% War Loan.........00.0..
2. Treasury Bills ... .............
3, Exchequer Bonds ‚............0
Summe....
59 War Loan 4°/, War Loan
844 802,0 | 22 046,0
1231012,0 | 30 372.0
820 346,0 23 199,0
130 205,0 | 612,0
280 461,0 | 65610 ;
2075 814,0 | 524180 |
Zusammen
866 848,0
1.261 384,0
843 545,0
130 817,0
287 022,0
2.128 232,0
Als bemerkenswert ist ferner bei dieser Anleihe die Schaffung eines Fonds zu Kurs-
stützungszwecken!) zu erwähnen, der monatlich mit !/s */a des ausstehenden Betrages einer
jeden der beiden Tranchen beschickt werden sollte. Aus diesen Mitteln waren Rückkäufe
vorgesehen für den Fall, daß der Marktpreis der Anleihe unter den Ausgabekurs sinken
würde,
Die außerordentliche Höhe der schwebenden Schuld Großbritanniens (Höchst-
stand: 1,55 Mrd. £ am 31. Dezember 1918), die schon durch Emission mittelfristiger Titel
im Januar 1919 zum Teil prolongiert worden war, im Zusammenhang mit dem Defizit
des Finanzjahres 1919/20 in Höhe von etwa 330 Mill. £, zwangen zur Emission der
1) Depreciation Fund.