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bleibt oder gar sinkt. Die Änderung des Wirtschaftssystems (wie
der Übergang von der Viehzucht zum Ackerbau), die durch die
Zunahme der Bevölkerung hervorgerufen ist, wird von einem be
deutend höheren Arbeitsaufwand begleitet, und zwar deshalb,
weil die Arbeitsproduktivität mit dem Übergang zu einer inten
siven Kultur sinkt. Weil man aber unter diesen Umständen ge
zwungen wird, mehr Arbeit aufzuwenden, entwickeln sich die
Produktivkräfte und schreitet auch die Technik fort.
Als gesellschaftliche Produktivkräfte be
trachten wir folglich die Summe der lebendigen
Arbeit und der Produktionsmittel, die für die
weitere Produktion notwendig sind. Die Ent
wicklung der Produktivkräfte der Gesell
schaft kann also sowohl bei einem unveränder
ten Arbeitsaufwand als Folge des technischen
Fortschrittes vor sich gehen, als auch umge
kehrt, bei einem Stillstand der Technik und
bei einem erhöhten Arbeitsaufwand.
II.
Die erste Frage, die sich die Soziologen und Volkswirte bei
der Untersuchung der sozialen Entwicklung im allgemeinen und
des Wirtschaftslebens insbesondere stellen, ist die nach den Ur
sachen dieser Entwicklung. Welche Momente sind die Haupt
faktoren des wirtschaftlichen Fortschritts? Welche Motive be
stimmen die ökonomische Tätigkeit der Menschen? Ändern sich
diese unter dem Einflüsse der äußeren Verhältnisse, und welches
sind die Verhältnisse, die diese Änderung bewirken? All diese
Fragen werden von verschiedenen Soziologen und Volkswirten
verschieden beantwortet. Die einen sehen die Ursache der wirt
schaftlichen Entwicklung im Egoismus der Menschen; die an
deren — in der Bevölkerungszunahme oder in der geistigen Ent
wicklung; wieder andere finden diese Ursache im technischen
Fortschritt, in dem Streben des Kapitalisten nach Profit usw.
Betrachten wir diese Fragen etwas näher, weil ihre Lösung