Kap. XV. Einfluß der Konjunkturen auf die Arbeit.
wie. man sieht, um eine allgemeine Untersuchung der Wanderung der
Arbeitskraft unter dem Einfluß der Konjunkturen.
Dieses für unsere Kenntnis der Konjunkturen, wie auch vom all-
gemeinen sozialen Standpunkte aus, überaus wichtige Moment, scheint
leider bisher von der offiziellen Statistik nicht speziell behandelt worden
zu sein. Für einige Länder lassen sich jedoch gewisse statistische Daten
zusammenstellen, die über die hier in Rede stehenden Erscheinungen
Licht verbreiten.
Für Schweden gibt die offizielle Fabrikstatistik1) für jedes Jahr
die Zahl der Arbeiter für verschiedene Gruppen von Industrien ge-
sondert an. Wir können also hier diejenigen Gruppen von Industrien,
die in der Hauptsache der Produktion von festem Kapitale dienen,
zusammenfassen und so die Gesamtsumme der in diesen Industrien
beschäftigten Arbeiter berechnen. Die Industrien, die hier in Frage
kommen, sind die Holzindustrie, die Industrie der Steine und des Bau-
materials und die Eisen- und Stahlindustrie. Die gesamte Arbeiter-
zahl dieser Industrien läßt sich auf Grund der vorliegenden Statistik
für jedes Jahr von 1896 an berechnen. Diese Zahl ist auf unserem
Diagramme (Fig. 11) durch die Kurve A wiedergegeben. Die Kurve B
bezeichnet die Zahl der übrigen Industriearbeiter, die Kurve C die
Gesamtzahl der Industriearbeiter, also die Summe von A und B?2). Die
Kurve C der Gesamtzahl der Industriearbeiter zeigt für die beiden
Wendejahre 1900 und 1907 die charakteristischen Spitzen der Hoch-
konjunktur. Untersucht man aber, woher diese Spitzen herrühren, so
findet man, daß sie so gut wie ausschließlich auf die Schwankungen
der Zahl der Arbeiter in den kapitalproduzierenden Industrien zurück-
zuführen sind. In der Tat zeigt die‘ Kurve der kapitalproduzierenden
Industrien sehr bestimmte Rückgänge, sowohl nach 1900 wie nach
1907, während die Kurve der übrigen Industrien nach 1900 ihre Steige-
rung, wenn auch in etwas abgeschwächtem Tempo, fortgesetzt und nach
1907 nur ganz unbedeutend sinkt. Ziffernmäßig stellen sich die Schwan-
kungen der Kurve der kapitalproduzierenden Industrien im großen wie
folgt:
Steigerung Rückgang
1896— 1900 29,5% 1900— 1902 3,1.%
1902— 1907 12.9 1907— 1909 10,0 ,,
Die Kurve B der übrigen Industrien zeigt vor 1907 keinen ein-
zigen Rückgang, in den beiden großen Streikjahren 1908—1909 einen
Rückgang‘ gegen 1907 von nur etwa 1000 Arbeitern, d. h. um 0,56 %.
Unser früher gewonnenes Ergebnis, daß die Konjunkturbewegungen
lediglich ein Ausdruck für die Schwankungen in der Produktion von
2) Sveriges officiella Statistik. D. Fabriker och Handtverk.
?) Die Ziffern sind im Anhange (Tabelle 7) gegeben. Unter den Industrie-
arbeitern sind die Bergwerks- und Hüttenarbeiter nicht mit eingerechnet.
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