Sachverständiger Benjamin: Ich möchte zunächst sagen, daß
ich mich bei meinen Ausführungen von guter und schlechter Konjunktur
überhaupt nicht habe leiten lassen, sondern von dem Moment, daß ich
meine Bedürfnisse im Inlande decke. Man darf aber nicht ganz losgelöst
von allen übrigen anschließenden Erwägungen den Erzpreis betrachten,
sondern man muß sich doch auch schließlich fragen, wie überhaupt das
Wirtschaftsleben in dem betreffenden Gebiet dadurch beeinflußt wird.
daß eine Grube stilliegt oder betrieben wird.
Bernhard: Das ist die soziale Seite, die natürlich auch mit
berücksichtigt wird.
Sachverständiger Benjamin: Es wäre meines Erachtens eine
abwegige Erzwirtschaft, wenn ich sagen sollte: Jetzt ist die Konjunktur
in Europa allgemein schlecht; ich habe ein Angebot an manganhaltigen
Erzen aus Nordspanien, das sich um 1,50 RM. pro Tonne billiger stellt
als der Siegerländer Roststahl, also verlange ich von der Siegerländer
Grube, daß sie sich diesem zufälligen Konjunkturstand absolut unter-
ordnet. Die Siegerländer Grube liegt zunächst einmal in Deutschland;
sie ist mir immer zugänglich, und sie versorgt mich regelmäßig. Wenn
ich beispielsweise mit einer Siegerländer Grube über einen fünfjährigen
Erzvertrag verhandeln würde, so würde ich wahrscheinlich einen soge-
hannten normalen Durchschnittspreis erreichen, der mich in die Lage
Versetzt, den etwas niedrigeren Preis, der durch irgendeine vorüber-
gehende schlechte Konjunktur entsteht, nicht als Verlust zu empfinden.
Hier habe ich die sichere, stationäre, gleichmäßige Bezugsquelle, ganz
abgesehen von der Gleichmäßigkeit des Erzes. Ich würde ohne weiteres
für fünf Jahre gern einen Preis bewilligen, bei dem die Grube gut
existieren kann, und es vollkommen ignorieren, ob mir in dem einen
oder anderen Jahre mal 10 000 oder 20 000 Tonnen spanische Erze etwas
billiger angeboten werden.
Bernhard: Das zeigt, daß eigentlich für die Gruben eine
dauernde Tiefkonjunktur gar nicht in Betracht kommt, sondern daß sie
mit einem Durchschnittsbetrag zu rechnen haben?
Sachverständiger Benjamin: Nach meiner Auffassung verdient
der heimische Bergbau in jedem Falle die Stütze, weil er im Durch-
Schnitt der Jahre dem Verbraucher sicherlich mehr leisten wird als das
ausländische Erz. Die ausländischen Gruben verlangen von uns eben
den Preis, den sie bei der Konjunktur erzielen können.
Bernhard: Können Sie uns aus Ihren Erfahrungen sagen: Wie
Werden die Erzlieferungsverträge mit den Gruben vom Handel abge-
Schlossen?
Sachverständiger Benjamin: Bei den heimischen Gruben ist
©S so, daß der weitaus größte Teil im Besitz von Hüttenwerken ist
Ich glaube, der Handel in heimischen Erzen ist ganz unbedeutend.
. Bernhard: Haben diese Gruben nun dauernde Verträge, oder
Wie ist die Form des Abschlusses?
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