und zu einer Senkung der Schröttpreise geführt. Erst in den letzten
Monaten ist infolge des englischen Streiks und des festwerdenden Frankenkurses
sowie im Zusammenhang mit den internationalen Eisenpaktverhandlungen
eine Änderung eingetreten. Seitdem der Eisen- und
Stahlbedarf in Deutschland etwas gewachsen ist, hat aber sofort die
Schrottnachfrage stark zugenommen, und es hat sich bald gezeigt, wie
eng auf dem heimischen Markt die Grenzen für eine wünschenswerte
Schrottversorgung gezogen sind. Nicht mit Unrecht rechnet das
Statistische Reichsamt den Schrott zu den konjunkturempfindlichen
Waren; sein Preis ist seiner Natur nach großen
Schwankungen spekulativen Ursprungs ausgesetzt.
Schon in den Inflationsjahren wäre der Schrottmangel lebhafter in
Erscheinung getreten, wenn damals die unsichtbare Einfuhr, nämlich
das Abwracken eingeführter alter Kriegs- und Handelsschiffe, nicht
eine große Rolle gespielt hätte und wenn die deutsche Eisenindustrie
damals nicht von den verschrotteten Kriegsmaterialien
hätte leben können. Auf lange Frist gesehen, kann jedenfalls von
einem Rückgang des Schrottbedarfs nicht gesprochen
werden. Nicht nur die mitteldeutsche Stahlindustrie,
die lediglich auf der Verhüttung der örtlich entfallenden Schrottmengen
beruht, sondern auch die Stahlwerke des Ruhrgebiets und Westoberschlesiens
müssen auf die Verwendung der 100 % Eisen enthaltenden
Alteisenabfälle und des Neuschrotts den größten Wert legen. Je nach
Saisonbedarf und Weltmarktskonjunktur mag der Schrottmarkt beeinflußt
werden; jedenfalls bleibt ein hoher Schrottbedarf, ja er dürfte
sicherlich noch erheblich wachsen.
Allgemein wird vermutet, daß an der schwierigen Lage des
Schrottmarktes sich solange nichts ändern werde, bis die Nachbarländer
ihre Schrottausfuhrverbote aufheben. Wenn Herr
Lange meint, die kürzlich abgeschlossenen internationalen KEisenabkommen
ermöglichen bereits die Heranziehung lothringischen und luxemburgischen
Schrotts für deutsche Stahlwerke, so ist das ein Irrtum.
Nach Lage der Dinge können wir vorläufig das deutsche Schrottausfuhrverbotnoch
nicht entbehren, zumal Länder, die in großem
Maße Schrott abgeben, ausdrücklich gegen uns ein Schrottausfuhrverbot
erlassen haben.
Selbstverständlich ist, daß das Maß der Verwendung von
Schrott von dem Schrottpreis und von dem Verhältnis des Schrottpreises
zum Roheisenpreis sowie Rohstahlpreis nicht ganz unabhängig
ist. Bei hohen Schrottpreisen, wie sie zu Beginn des Jahres 1925
bestanden, und bei einem geringen Unterschied zwischen Roheisen- und
Schrottpreis wird naturgemäß bei der Stahlerzeugung mehr Roheisen
zugesetzt. Die Roheisenerzeugung kann aber nicht immer der wechselnden
Marktlage angepaßt, werden, weil der Hochofen nicht nur Roheisenerzeuger,
sondern auch Krafterzeuger ist und die Werke deshalb
gezwungen werden können, um den Hochofenbetrieb vor größeren
Schwankungen zu bewahren, zeitweilig mehr Roheisen herzustellen, als
unbedingt notwendig ist. Insbesondere können die Werke zeitweise
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