Full text : Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie

Nachkriegszeit zeigen der Stabeisen- und der Kernschrottpreis
im Jahre 1924 und Anfang 1925 eine ähnlich verlaufende Entwicklung.
Seit dem Sommer 1925 ist der offizielle Syndikats-Stabeisenpreis fast
unverändert geblieben, während der Schrottpreis in dieser Zeit von
65 RM. auf 46 RM. sank, um Ende 1926 wieder auf 63 RM. zu steigen.
Die tatsächlichen Stabeisenpreise wichen, wie in dem Gutachten „Zur
Frage des internationalen Eisenpreisvergleichs‘“ bei Betrachtung der
Werkserlöse geschildert wird, erheblich von den Syndikatsnotierungen
ab. Sie haben die Schrottpreisschwankungen wohl zum Teil mitgemacht,
aber eine bestimmte Relation zwischen dem Stabeisenpreis und dem
Kernschrottpreis kann seit dem Sommer 1925 nicht festgestellt. werden.

Ein anderes Bild ergibt sich beim Vergleich des Stabeisenausfuhrpreises
 mit dem rheinisch-westfälischen
 Kernschrottpreis, Wählt man zum Vergleich die
Ayvyi-Ausfuhrverrechnungspreise für 1925 und 1926),
so sieht man, daß zunächst der Preissturz und dann die Preishebung
dem Stabeisenausfuhrpreis und dem Kernschrottpreis gemeinsam sind.
Aber der Kernschrottpreis ist bis zum Ende 1925 schneller gefallen als
der Stabeisenausfuhrpreis, während umgekehrt vom Frühjahr bis zum
Winter 1926 der Stabeisenausfuhrpreis größere Schwankungen mitgemacht
 hat als der Schrottpreis.
Was das Preisverhältnis von Schrott zu Eisenerz
anlangt, so läßt sich an Hand der Abbildung 12 und Anlage 17°)
für die Jahre 1924 bis 1926 feststellen, daß die Schwankungen der Erzpreise
 im Vergleich zu denen der Schrottpreise sehr gering gewesen sind.
Das ersieht man selbst bei einer Verdoppelung des Maßstabes, wie sie
in Abbildung 12 für die Darstellung der Erzpreise vorgenommen worden
ist. Am ehesten ist eine ähnliche Bewegung zwischen Schrottpreis und
Erzpreis bei den spanischen Bilbao-Rubio-Erzen festzustellen. Die
Senkung der Schrottpreise wie ihre Hebung ist von gewissem Einfluß
auf den Marktpreis für diese spanischen Erze gewesen. Dagegen läßt
sich weder für die schwedischen Erze noch für Siegerländer Erz etwas
Ähnliches feststellen. Diese beiden Erze haben allerdings unter sich
zweifellos ein bestimmtes Preisverhältnis. Die Preise für das Siegerländer
 wie für schwedisches Erz laufen großenteils miteinander parallel.
Die Senkung des Preises für den Siegerländer Rohspat, die dank der
vom Reichswirtschaftsministerium im Frühjahr 1926 gewährten Absatzprämie
 eintrat, wirkte preisermäßigend auf den schwedischen Erzpreis.
Diese Preissenkung hat bis zum Ende des Jahres 1926 angehalten,
Während bei den spanischen Erzen zugleich mit dem steigenden Schrott-Preis
 eine nicht unerhebliche Preiserhöhung festzustellen war. Bei der
Betrachtung: der Preisentwicklung für Lothringer Minette in den Jahren
1925/26 darf nicht übersehen werden, daß die Preise im Jahre 1926
höher waren, weil sie die Fracht bis zum Hafen Ruhrort enthielten und
in englischer Pfundwährung erstellt waren. während für 1925 die

1) Vgl. Abb. 11 S. 352.
2) Vgl. Abb. 12 S. 854 u. Anl. 17 S, 391.

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