Full text: Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie

in Zwickau, Nord-, Ost- und Mitteldeutschland nur in Peine, Süddeutsch- 
land nur in der Oberpfalz (Maximilianshütte, Rosenberg) über je einen 
Thomasbetrieb. In Westoberschlesien ist kein einziger Thomasbetrieb 
anzutreffen. Der Thomasbetrieb der Friedenshütte ist auf Grund des 
Genfer Diktats an Polen gefallen. Das Siegerland, Lahn- und Dillgehbiet 
sowie ÖOberhessen sind fast ganz auf den Siemens-Martin-Betrieb ge- 
stellt. Tiegel- und Elektrostahlbetriebe spielen außerhalb von Rhein- 
land-Westfalen nur eine sehr bescheidene Rolle. 
Hieraus folgt, daß für Westoberschlesien, für fast alle mittel- 
deutschen Werke sowie für die Stahlindustrie des Siegerlands und des 
Lahn- und Dillgebiets der Schrott die alleinige Rohstoffquelle dar- 
stellt, so daß das Fortbestehen dieser Werke von einer ausreichenden 
Schrottversorgung abhängig ist. In Rheinland-Westfalen ist dagegen 
der Thomasstahlbetrieb fast ebenso stark ausgebildet wie das Siemens- 
Martin-Stahl-Verfahren. Erst nach Kriegsausbruch hat das Siemens- 
Martin-Stahl-Verfahren in Rheinland-Westfalen das Übergewicht er- 
langt, aber die dortige Industrie hat immer die Möglichkeit, bald mehr 
Thomasstahl, bald mehr Siemens-Martin-Stahl herzustellen, je nachdem 
sich die Verhüttung von Erzen oder die Verschmelzung von Schrott für 
die Stahlerzeugung günstiger stellt. Daß Rheinland-Westfalen sich auf 
das Thomasverfahren stützen kann, hängt mit der früheren Verbindung 
zur Lothringer Minette und mit der Verhüttung von phosphorhaltigen 
Auslandserzen zusammen, deren Heranschaffung auf der Rheinwasser- 
straße und dem Dortmund-Ems-Kanal nicht so teuer zu stehen kommt 
vie der Eisenbahntransport auf weite Entfernungen. 
Von den einzelnen Bezirken standen 1925 über ihrer Vorkriegs- 
zewinnung an Siemens-Martin-Stahl: 
Rheinland-Westfalen . ........... mit etwa 112000 Tonnen, 
Westoberschlesien ............ ” 21 000 A 
Nord-, Ost- und Mitteldeutschland .. „ „ 184000 # 
Sachsen ...0.0.0.00.0000000040400 u 149000 
Süddeutschland 2. N 34 000 
Dagegen ist im Siegerland ein Rückgang von 115000 Tonnen zu 
verzeichnen. 
Das Hauptproduktionsgebiet an Siemens-Martin-Stahl und des- 
wegen das Hauptbedarfsgebiet an Schrott ist Rhein- 
land-Westfalen. Dort werden über 70% der gesamten deut- 
schen Siemens-Martin-Stahl-Gewinnung erzeugt. Deswegen ist Rhein- 
'and-Westfalen der Hauptmarkt für den deutschen Schrott und wirkt 
preisbestimmend für alle übrigen deutschen Schrottentfall- und Schrott- 
verbrauchsbezirke. Das zweitwichtigste, in sich geschlossene Siemens- 
Martin-Stahl-Produktionsgebiet ist Sachsen, auf das nicht ganz 6% 
der gesamten deutschen Produktion entfallen. Dann folgen Oberschle- 
sien mit etwas mehr als 5%, Siegerland mit weniger als 4% 
und Süddeutschland mit nicht ganz 1%. Die unter „Nord-, 
Ost- und Mitteldeutschland‘“ zusammengefaßten Betriebe 
verteilen sich über eine so weite Fläche, daß man hier von einem in sich 
abgeschlossenen Produktionsgebiet nicht sprechen kann. Die nord-. 
SG
	        
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