Full text: Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie

die dabei entstehenden höheren Frachtkosten einen gewissen Ausgleich 
in geringeren Einkaufspreisen haben. können. 
Es kommt hinzu, daß die Schrotteinfuhr überwiegend dem 
Westen zugute kommt, während die Schrottausfuhr aus Deutsch- 
land zu Lasten von Nord-, Ost- und Mitteldeutschland geht. Vergleicht 
man den deutschen Außenhandel in Schrott in den zwei 
letzten Vorkriegs- und. den zwei letzten Nachkriegsjahren, so ergibt sich 
folgendes Bild: 
Deutscher Außenhandel in Schrott. 
(Mengen in Tonnen.) 
Jahr 
1912 ... 
1918 . 
1925 .. 
1926 . 
Einfuhr 
Ausfuhr 
Ausfuhrüberschuß (—) “ 
Einfuhrüberschuß (+) 
240 000 160 000 80 700 
209 700 193 500 16 200 
214 600 | 285 800 — 71200 
175 500 446 900 -— 971 400 
Hieraus folgt, daß die Schrotteinfuhr in den letzten Jahren gegen- 
über der Vorkriegszeit einen erheblichen Rückgang, die Schrottausfuhr 
aber eine bedauerliche Steigerung auf nahezu das Dreifache im Ver- 
gleich zum Jahre 1912 zu verzeichnen hat. Die Außenhandelsbilanz 
für Schrott!) ist, vom Standpunkt der deutschen Schrottverbraucher 
betrachtet, immer ungünstiger geworden. Gegenüber einem KEinfuhr- 
überschuß von über 80 000 t im Jahre 1912 ist im Jahre 1926 ein Aus- 
fuhrüberschuß, also ein Schrottabfluß, von über 271000 t zu ver- 
zeichnen. 
Die Schrotteinfuhr kam inder Vorkriegesezeit haupt- 
sächlich aus Holland und Belgien sowie aus Luxemburg, Frankreich 
und Schweden, in geringerem Maße auch aus Österreich-Ungarn ‚und 
Rußland. Die Schrottausfuhr dagegen richtete sich früher haupt- 
sächlich nach Österreich-Ungarn, Italien, Schweden. der Schweiz, 
Belgien und England. 
In der Nachkriegszeit sind die Hauptbezieher deutschen 
Schrotts Polnisch-Oberschlesien, Italien, die Tschechei und England. 
Untersucht man an Hand der Statistik der Güterbewegung auf den 
deutschen Eisenbahnen, aus welchen deutschen Schrott- 
entfallgebieten die Nachbarländer Schrott abge- 
zogen haben, 8o ergibt sich folgendes: 
Die Tschechoslowakei bezog im Jahre 1913 deutschen 
Schrott in einer Menge von 22000 t fast ausschließlich aus Bayern, 
Sachsen und Berlin, soweit er auf der Eisenbahn transportiert wurde. 
Im Jahre 1925 betrug bei einer tschechischen. Gesamteinfuhr von Schrott 
ın Höhe von 133 000 t die mit der Eisenbahn aus Deutschland bezogene 
Gesamtmenge 67 000 t, also das Dreifache der Menge von 1913. Davon 
kamen aus: 
1) Siehe S. 283, 
361
	        
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