Full text : Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie

Dberschlesien
Ostseehäfen .
Albehäfen . .
Weserhäfen .
Breslau ...
Sachsen ...
Berlin ....
Bayern ..
Magdeburg

}8000 Tonnen
7300
3600
L000
3400
2800
2400
2100
1700

Rn

Die tschechische Eisenindustrie greift also heute mit der Hälfte
ihrer gesamten Schrotteinfuhr in alle ost-, mittel- und norddeutschen
Schrottentfallgebiete hinüber, in die Versorgungsgebiete der auf den
Schrottbezug besonders angewiesenen deutschen Eisenbezirke, deren
Schrottmarkt hierdurch eine Störung erfährt. Früher wurde diese
Störung dadurch vermieden, daß die Techechei sich der Berliner Schrotteinkaufsgesellschaft
 bediente, um ihren Zusatzbedarf in Deutschland zu
decken. Heute sind diese Störungen des deutschen Schrottmarktes um
so nachteiliger und stärker, als die Techechei unter straffster Handhabung
 ihres Schrottausfuhrverbots den Schrottinlandspreis niedrig zu
nalten versteht, um hierdurch in der Lage zu sein, für die einzu-:ührenden
 Schrottmengen höhere Preise anlegen zu können. So beträgt
seit dem 15. Juni 1926 der Inlandspreis für Kernschrott 330 K&, —
41 RM. je Tonne, soweit die Lieferung aus Böhmen erfolgt, und
320 K&. = 39,80. RM., soweit Lieferungen ab Mähren und Schlesien in
Betracht kommen. Die Preise gelten waggonfrei Versandstation. Die
bis franko Werk entstehende Durchschnittsfracht dürfte 32 bis 48 K&
oder rund 4 bis 6 RM. befragen, ist aber tatsächlich niedriger, weil die
tschechischen Werke mit der tschechischen Eisenbahnverwaltung: Verträge
 abgeschlossen haben, nach denen ihnen je nach der Schrottmenge,
lie bezogen wird, Frachtermäßigungen eingeräumt werden. Gleichzeitig
 hält sich die Tschechei durch außerordentlich hohe Eisenzölle
fremdes Neueisen von ihrem Markte fern und hält den Neueisenpreis im
Inlande hoch, um nach dem Ausland Neueisen zu billigeren Preisen
ılefern zu können. Die Tschechei war also bisher in der Lage, unter.
deranziehung des deutschen Schrotts Neueisen zu billigen. Preisen nach
dem deutschen Binnenmarkt zu liefern.
In Polen liegen die Verhältnisse ähnlich. Polen hat gleichfalls
außerordentlich hohe, prohibitive Eisenzölle und einen so hohen Schrottausfuhrzoll,
 daß er wie ein Ausfuhrverbot wirkt. Auch Polen hält den
[nlandspreis für Schrott möglichst niedrig. In der Vorkriegszeit hat
lie polnische Eisenindustrie keine nennenswerten Schrottmengen aus
Deutschland bezogen. In der Nachkriegszeit ist infolge der: Zuteilung
Ostoberschlesiens an Polen der Schrottbezug auf Grund des Genfer
Diktats erheblich gewachsen. Bis zum 14. Juni 1927 hatte Polen Anspruch
 auf ein deutsches Schrottkontingent in Höhe von 235000 t
jährlich. Zwischen den west- und ostoberschlesischen Werken ist geit
Jahren ein Übereinkommen geschlossen, nach dem der Schrotteinkauf
von der Berliner Schrotteinkaufsgesellschaft gemeinsam für die west-362


            
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