Da jedoch mit der Aufbereitung eine weitgehende Zerkleinerung der
Erze verbunden ist, die eine nachherige Wiederstückigmachung erfordert;
sind hier bei der verhältnismäßigen Geringwertigkeit des Eisenerzes
gegenüber den: übrigen Metallerzen der Verwendung wirtschaftliche
Grenzen gezogen, Die Zusammensetzung des Erzes an sich wäre günstig,
aber die Abbauverhältnisse sind ungünstig, weil die tektonischen Vor-
gänge vielfach gestört und verworfen sind, . Das an sich edle Erz wird
durch Quarzlösung verschlechtert oder bisweilen durch Quarz so ver-
drängt, daß seine Verwertbarkeit ausgeschlossen ist. Teilweise gehen
auch die edlen Spatgänge ganz in Quarzgänge über, halten als solche
über mehrere Sohlen an und treten dann wieder als Spatgänge in guter
Beschaffenheit auf. Auf manchen Gruben tritt ferner. Schwefel und
Kupferkies auf, wodurch die Qualität des Spats erheblich verschlechtert
wird... Der Siegerländer Erzbergbau hat mit großen wirtschaftlichen
Schwierigkeiten zu kämpfen.
Für die Erzeugung des Thomasroheisens wird der Siegerländer
Spat nur in geringen Mengen als Manganträger gebraucht. Infolge der
ungünstigen Erzeugungsbedingungen ist der Verbrauch an Spat in den
letzten Jahren sehr zurückgegangen, so daß das Siegerland unter Absatz-
mangel leidet. Heute wird ein ‚großer Teil der Gruben nur weiter-
betrieben, um das wirtschaftliche Leben im Interesse der Bevölkerung
in Gang zu halten. Sollte im Siegerland infolge der Wirtschaftesnot ein
Teil der Gruben unter Wasser gesetzt werden, so erscheint es sehr
zweifelhaft, ob in den nächsten Jahren und Jahrzehnten so gute wirt-
schaftliche Verhältnisse eintreten werden, daß man sich eine teure
Wiederaufwältigung der Gruben leisten kann. Dann besteht die Gefahr,
daß zum mindesten ein großer Teil des wertvollen Erzes für immer der
deutschen Volkswirtschaft verlorengeht. Sie ist durch eine Hilfsaktion
der Regierungen — Vergütung von 2 Mark für die Tonne geförderten
Erzes, die zur einen Hälfte vom Reich, zur anderen von Preußen und
Hessen, für den. Vogelsberger Bezirk in Oberhessen, getragen wird —
einstweilen für‘ sechs Monate, Juni bis November 1926, abgewendet. .
2. Lahn- und Dill-Gebiet mit Oberhessen. Der
Roteisenstein hat etwa 42°/, Eisengehalt neben 15 bis 35 °/, Kieselsäure
und 0,05 bis 0,75 °% Phosphor. Die Gewinnung des Erzes ist mindestens
mit den gleichen Schwierigkeiten verknüpft wie im Siegerland. Die
Lagerstätten sind zudem meist von geringerer Ausdehnung als im
Siegerland. Für die Mehrzahl der Betriebe lohnt sich daher die Anlage
umfangreicher maschineller Einrichtungen nicht. Daraus folgt, daß die
Gestehungskosten. durch vermehrte Handarbeit zum Teil höher sind. als
im Siegerland. Ein großer Teil der Betriebe liegt auch ungünstig zu
den Bahnstationen. . Das Erz ist daher mit einer oft erheblichen Vor-
[racht belastet. Der teilweise hohe Kieselsäuregehalt und der ungünstig
gelegene Phosphorgehalt erschweren den Absatz des Erzes noch mehr
wie den des Siegerländer Spates. Im Lahn-Dill-Bezirk finden sich auch
kalkhaltige Brauneisenerze. Die unregelmäßigen Vorkommen spielen
aber eine weniger große Rolle.
. Die oberhessischen Erze im Vogelsberger Bezirk haben
eine Mächtigkeit von 5 bis 20m. Das Erz wird durch Waschprozesse