die Deckung eines starken Anteils des deutschen Erzbedarfes aus dem
Inland möglich ist.
Daß dieses bisher noch nicht in stärkerem Maße geschehen, liegt
daran, daß die Erze arm und an Kieselsäure und "Tonerde reich sind,
daher einer weitgehenden Aufbereitung bedürfen. Hierzu mußte erst
ein der Eigenart dieses Erzes angepaßtes, billig arbeitendes Verfahren,
das auch die Bewältigung großer Massen gestattet, ausgearbeitet
werden. — Selbst dann werden sich diese Erze nicht auf die hohen
Gehalte der Auslandserze bringen lassen. Bei der frachtlich ungünstigen
Lage zu den Verbrauchsstellen werden daher diese Aufbereitungspro-
dukte gegen das Auslandserz schwer zu kämpfen haben, die auf dem
Rhein frachtlich wesentlich billiger herankommen können, als das Erz
aus dem Harzvorlande, selbst nach Fertigstellung des Mittellandkanals
bis Hildesheim. Nach Osten und Norden ist dieses Erz noch ganz auf
den Bahnabsatz angewiesen, der einen Versand im großen bisher ebenso-
wenig wie nach dem Westen bei den heutigen Bahntarifen zuließ.
Die Schaffung großer Anlagen und die Lösung der Aufbereitungs-
fragen. erfordern große Mittel und bedeuten ein nicht unerhebliches
Risiko, das bei den bisherigen Transportverhältnissen noch größer
wäre. Diese Mittel bei dem geschilderten Risiko aufzubringen, scheut
der Privatunternehmer, selbst wenn ihm — was in der zurückliegenden
schwierigen Zeit leider nicht der Fall gewesen ist — die Mittel hierfür
zur Verfügung gestanden hätten. Trotzdem sind nach dem Kriege von
einer Vereinigung rheinisch-westfälischer Werke Vorarbeiten unter
Aufwand erheblicher Mittel geleistet. Es wurden bekannte Teile der
Lagerstätten und die weitere Erstreckung derselben untersucht, neue,
bisher unbekannte Teile aufgesucht und auch gefunden und damit ein
sehr beträchtlicher Erzvorrat nachgewiesen. Es wurden auch Anhalts-
punkte über die vermutliche weitere Erstreckung gewonnen. Die weiteren
Aufsuchungen mußten aber schließlich als über, die Kraft der Firmen
hinausgehend vorläufig eingestellt werden. KErwiesen ist aber damit,
daß noch weit größere Vorratsmengen als bisher bekannt, bestimmt zu
erwarten sind.
Auch in der Aufbereitungsirage wurden erhebliche Vorarbeiten
geleistet und in einer kleineren Anlage betriebsmäßig erprobt, so weit,
daß heute die Übertragung auf einen Großbetrieb möglich ist, sowie
die dazu benötigten Mittel bereit stehen und eine billige Abtransport-
möglichkeit zu den Hüttenwerken geschaffen ist.
Damit wäre dann hier die Möglichkeit gegeben, eine neue inlän-
dische Erzbasis für die Hütten zu schaffen, die einen Teil ihres Be-
darfes decken könnte. Diese Aussicht ist einerseits für die deutsche
Hüttenindustrie von einer derart ausschlaggebenden Bedeutung, wird
andererseits aber in weiten, auch industriellen Kreisen nicht genügend
erkannt und gewürdigt, daß es angebracht erscheint, an dieser Stelle
eine erschöpfende, allgemeinverständliche Darstellung der Frage nach
dem neuesten Stand der Forschung und Entwicklung zu geben.
Die Verbreitung des Erzlagers, seine Ausbildung, Mächtigkeit und
Zusammensetzung sind bedingt und werden verständlich durch die geo-
logische Entstehungsgeschichte des Erzlagers.
79