Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft.
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die Kreditbanken und das Schatzamt sich zur Zusammenarbeit
nicht ergänzt haben. Dagegen haben sie ihre Kräfte zur Zeichnung
und Unterbringung der 5 % ewigen Rente voll entfaltet und durch ihre
weitverzweigten Filialen und Kassen unter die Kundschaft eine rührige
Propaganda getragen. Sie konnten auch große Erfolge aufweisen, wie
später noch näher ausgeführt wird.
Die schwere Kriegszeit, die militärischen und wirtschaftlichen Er
eignisse wiesen ihnen die neue Arbeitsrichtung in der Volkswirtschaft
von selbst zu.
Die Banken haben im Verlauf der späteren Kriegsmonate ihre An
strengungen zunächst dahin zu lenken gesucht, das alte Vertrauen ihrer
Kunden, mit denen sie im Kreditverkehr stehen, wiederzugewinnen.
Bei der Gewährung neuer Kredite sahen sie es aber als ihre erste Pflicht
an, nach der Kreditwürdigkeit des Darlehnsempfängers zu fragen, um
so eine einwandfreie Garantie für die Rückzahlung der Kapitalien
zu haben. Es ist daher verständlich, daß die Bilanzen der Depositen-
Banken geringe Wechselbestände ausweisen werden und nur einen
kleinen Prozentsatz von kaufmännischen Wechseln in ihren Portefeuilles
bergen dürften. Aber nicht allein die größere Zurückhaltung von ihrer
Seite löst eine geringere Inanspruchnahme aus. Auch die private Ge
schäftswelt selbst zieht es seit Erlaß des Wechselmoratoriums vor, ihre
Zahlungsverbindlichkeiten fast ausschließlich gegen sofortige Kasse
zu erfüllen und kein Ziel mehr zu gewähren. Dies beweisen die Bilanz
ziffern, obwohl das Bild ein wenig getrübt ist, da fast alle Banken die
mit ihren frei verfügbaren Mitteln angekauften kurzfristigen National-
Verteidigungswechsel in den gemeinsamen Posten „Wechselbestand“
hineinbringen. Nach den Jahresbilanzen der drei ersten Bankinstitute
zeigt der Wechselbestand für die Jahre 1914 und 1915 im Vergleich
zu 1912 und 1913 die nachstehende Bewegung (in Mül. Frcs.):
Wechselbestand in den letzten 4 Jahren.
Bankinstitut
31. Dezember
1912
1913
191+
1915
Credit Lyonnais
Societe Generale
Comptoir National
i4ir,oo
865,00
947,00
I5l8,00
890,00
1004,00
654,00
278,00
355,00
992,00
263,00
636,00
3223,00
3412,00
1287,00
i8gr,oo
Erst aus der Gegenüberstellung der unter den Einwirkungen des
Krieges stehenden Jahre zu den beiden vorangegangenen Friedens
jahren wird ersichtlich, wie scharf doch die schwere Kriegskrisis auf einen
der bevorzugten Geschäftszweige gewirkt hat. Im Jahre 1914 haben die
5 Kriegsmonate eine Verminderung des Wechselvorrats von 2125 Milk Frcs.
gegenüber dem Jahre 1913 gebracht. Aber alle Kreditbanken wurden
stark mitgenommen, nicht nur die drei besonders hervorgehobenen,