7. Kapitel.
Die Organisation
der weiblichen Angestellten.
In der Einsicht, daß auf dem Gebiet einer sozialpolitischen Für
sorge für die Angestellten noch sehr viel zu leisten sei, und daß Einig
keit stark mache, haben sich die Angestellten in Verbände zusammen
geschlossen. Da aber in diesen Vereinen Männer maßgebend waren,
die die Wünsche der Frauen zum Teil nicht kannten, zum Teil nicht
verstanden und nicht billigten, so erschien es bald erwünscht, daß
Organisationen gegründet würden, die von Frauen geleitet für Frauen
arbeiten. So entstanden die Gehilfinnenorganisationen, die bereits
in kurzer Zeit eine ungeahnte Entwicklung genommen haben.
Es bestehen heute eine große Anzahl von Vereinen für kauf
männische weibliche Angestellte, von denen aber nur drei infolge ihrer
Mitgliederzahl und ihrer Tätigkeit Bedeutung haben. Die kleineren
Vereine sind oft nur rein gesellig und verzichten auf eine wirtschaft
liche und soziale Hebung ihres Standes aus Mangel an Macht und
Wirkungsbereich.
Der größte Verein ist der „Kaufmännische Verband für weibliche
Angestellte“, Hauptsitz in Berlin, der im Jahre 1912 1 ) 32 753 Mit
glieder zählte. Er wurde 1889 unter dem Namen „Kaufmännischer
und gewerblicher Hilfsverein“ in Berlin gegründet und blieb auch zu
nächst nur auf Berliner Angestellte beschränkt. Er entstand nicht
aus Bestrebungen der Angestellten, sondern ist eine Gründung von
Außenstehenden, die die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der
Angestellten erkannten. Der Verein wollte sich zunächst darauf be
schränken, zu helfen und einzugreifen, wo es nötig war. Er bildete
sich also als Abwehr- und Unterstützungsverein. Diese Unterstützung
sollte nun nicht nur rein materiell sein, sondern man wollte die er
werbstätigen Frauen auch dadurch leistungsfähiger machen, daß
man ihnen Mittel und Wege an die Hand gab, sich beruflich auszu
bilden. Der Verband umfaßte zunächst alle Angestellten außer den
*) Das sind die letzten erreichbaren Zahlen.
R.
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