Full text: Die österreichisch-rumänische Zollfrage

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fürchten zu müssen, der egoistischen Interessenvertretung 
geziehen zu werden, so stellt sich hier die Sachlage doch 
weit anders, - dort sind die Abweisungsgründe so eminent 
veterinärpolizeilicher Natur, dass sich ihnen gewiss Niemand, und 
sei sein Erwerbsinteresse vielleicht noch so sehr durch den Zoll 
frieden oder Zollkrieg mit Rumänien tangirt, entziehen kann. 
Denn man kann vielleicht Begünstigung des Exportes der 
Industrieproducte durch Goncessionen für den Import der 
Rohstoffe zu compensiren glauben ; nie und nimmer aber 
wird eine Staatsgewalt es unternehmen, zur Erreichung von 
Zollermässigungen einen grossen Theil des National 
vermögens einem elementaren Unglücke preiszugeben. Bei 
der Frage der Zollfreiheit des Getreides aber liegen, 
wie gesagt, die Dinge anders. Hier könnte es sich allerdings 
um eine Abwägung der Grösse des Schadens/» respective 
Nutzens für die einzelnen Volkstheile des Staates handeln, 
hier könnte von gewisser Seite allerdings an die Zweck 
mässigkeit einer Compensation gedacht werden. Dass dieselbe 
aber auch in diesem Falle nicht am Platze wäre, wollen 
wir im Folgenden zeigen; mit dem erbrachten Beweise 
werden wir uns aber auch vor dem Vorwurfe des einseitigen 
„ Agrarierthumes um jeden Preis , der engherzigen Vertretung 
eines Classeninteresses bewahrt haben. 
Der Import rumänischen Getreides geschah bisher 
zollfrei. Wohl belegt unser Zolltarif vom Jahre 1882 Gerste, 
Hafer, Mais und Roggen pro Mentercentner mit einem Zoll 
von 25 kr., Weizen, Spelz, Halbfrucht, Heidekorn, Hirse 
mit 50 kr., Mehl und Mahlproducte mit H. 1.50 pro Meter- 
centner, factisch aber kam dieser Eingangszoll Rumänien 
gegenüber nicht zur Anwendung, da ihm die Zollconvention 
vom Jahre 1875 das Recht der Meistbegünstigung gewähr 
leistet hatte. 
Rumänien dringt nun darauf, dass diese Zollfreiheit für 
sein Getreide fortbestehen bleibe. Als ausschliesslicher Agri- 
culturstaat sieht es das Lebensinteresse seiner Production 
gefährlich bedroht, wenn sein Getreideexport durch einen
	        
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