40 Prof. Dr. Ernst Schultze;
tungen zu schaffen. Man kann es verstehen, daß die Aus-
wüchse im deutschen Exportgeschäft, die sich in den Inflationsjahren
einnisteten, in den Großfirmen den Wunsch entstehen ließen, die Aus-
landgeschäfte, die so hohen Nutzen zu versprechen schienen, selbst zu
machen. Allein das war ein Rechenfehler, der sich bitter gerächt hat.
Die Biegsamkeit unseres Exporthandels hat dadurch nicht gewonnen.
Fast überall auf der Erde bedarf es zum Absatz fremder Waren einer
Handelswerbung, die helläugig und mit scharfer Aufmerksamkeit jeden
Bedarf schon im Aufkommen erspäht und zu erobern sucht, Vertre-
tungen, die sich auf die Erzeugnisse einer Firma beschränken, sind
für diese Aufgabe ungeeignet, Es hatte schon seinen guten Grund, daß
der deutsche Ausfuhrhandel sich vor dem Kriege einer großen Anzahl
von Exportfirmen bediente, die jenen Anforderungen gerecht zu
werden suchten, Auf die Suche nach Aufträgen zu gehen, um eine
Produktion, der es an Absatz fehlt, in Gang zu halten, verspricht
viel weniger Erfolg als die planmäßige Anregung des Bedarfs durch
Organe, die feinfühlig jeden Bedarf schon in statu nascendi erspähen,
Zudem sieht sich die deutsche Industrie, die ja allein große Aus-
{uhrwerte schaffen kann, da wir landwirtschaftlich vielmehr der Ein-
fuhr bedürfen, einer völlig anderen weltwirtschafit-
lichen Lage gegenüber als vor 1914, Zahlreiche Märkte, die
Deutschland damals offenstanden, sind uns durch den Krieg verloren-
gegangen, Entweder hat man die Einfuhr aus Deutschland gesetzlich
oder durch die Verwaltung auf Jahre hinaus unterbunden (wie beson-
ders in Australien und vielen anderen Staaten der Entente), oder die
deutschen Exportwaren stießen, als sie wieder die alten Wege zu be-
schreiten suchten, auf Erzeugnisse anderer Länder, die früher nicht
dorthin gelangten,
Zudem ist in den letzten zehn Jahren die Industrialisie-
rung vor allem auch der überseeischen Welt mit
Siebenmeilenstiefeln fortgeschritten. Jedes Land sucht seine Indu-
strien, ganz besonders die jungen, soeben erst entstandenen, durch
hohe Zollmauern vor allem Wettbewerb des Auslandes zu schützen,
Auch sprechen fiskalische Gründe bei der Schutzzollpolitik mit, die
eine scheinbar sehr bequeme und sichere Methode ist, um Geld in die
Staatskasse zu führen,
Allenthalben stößt daher die Industriewaren-Ausfuhr entweder
auf verschlossene Tore oder sie prallt mit fremdem Wettbewerb zu-
sammen, Nicht einmal diejenigen Industriezweige, in denen Deutsch-
land auf dem Weltmarkt ehemals führend war, so daß es damals genügen-
den Auslandabsatz erzielte, sind von dieser Ungunst der Zeiten ver-
schont geblieben, Soist dieüberragende Stellung Deutsch-