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„KYSELAK‘“ MALT SEINEN NAMEN
machen. Nebenbei unterlasse man es nicht, den Komitees sämtlicher
Wohltätigkeitsveranstaltungen seine unentgeltliche Mitwirkung an-
zubieten, um dem Publikum, das von dem Anerbieten nichts weiß,
den Glauben beizubringen, daß der Künstler bestürmt wurde, weil
sein Name bereits Zugkraft ausübt.“
Der Spanier Pablo Piasso, der Schöpfer der kubisti-
schen Malweise, suchte die große Erscheinungswelt in geo-
metrische Figuren zu zerlegen. Nach dem Handbuch der
Kunstgeschichte von Adolf . Rosenberg (Verlag Velhagen &
Klasing 1921) hatte diese Methode nur den Zweck, sich durch
irgendeine Tollheit bekannt zu machen.
In diesem Zusammenhange ist noch die Methode eines
Sonderlings, des Kanzlisten Kyselak, zu erwähnen, welcher
um jeden Preis seinen Namen berühmt wissen wollte. Über
ihn wird folgendes erzählt: ;
‚„„Kyselak, ein ebenso tüchtiger Alpinist wie eitler Mensch, schrieb
seinen Namen, um ihn jedem Naturfreund vertraut zu machen, auf
die schroffsten und unnahbarsten Felswände. Mit gleichmäßigen,
großen sieben Buchstaben stand er in schwarzer... Farbe-hingeschrieben:
„KYSELAK“, und immer eine Jahreszahl darunter. Glaubte ein
Tourist, als erster eine Spitze erklommen zu haben, war er enttäuscht,
hoch oben angeschrieben zu finden: ,,‚KYSELAK“! Der Mann war
überall gewesen, und allüberall hatte er seinen Namen hingeschrieben.
Er war darüber zur mythischen, zur phantastischen Figur geworden.
Sein Zweck auf dieser Erde bestand nur darin, eben diese.Erde, wo es
nur immer anging, mit seinem Namen zu bekritzeln und so sehr be-
rühmt zu werden.
Als in Wien eine neue Brücke über den Donaukanal geschlagen
wurde, wollte der Ingenieur sein Werk nicht mit den ominösen sieben
Buchstaben bekleckst wissen und ordnete die schärfste Bewachung
des Objektes an. Aber als ein Schiffer unter der Brücke noch vor dem
Eröffnungstage durchfuhr, las er schon auf dem inneren Brückenbogen,
groß und schwarz hingemalt: „,„KYSELAK“.
Kaiser Franz, der von dem allmählich immer lästiger werden-
den Treiben Kyselaks gehört hatte und besonders deshalb auf den
Sonderling erbost war, weil er Registraturakzessist der Hofkammer
war, ließ ihn kommen, um ihm nach seiner gemütlich-tyrannischen Art
einmal ordentlich die Leviten zu lesen. Der Kaiser las die Leviten,
aber nach beendeter Audienz stand auch auf der Rückwand des kaiser-
lichen Schreibtisches: ,,KYSELAK“.
d) Die unterirdische Reklame.
Um plötzlich als allgemein anerkannte Autorität auf
diesem oder jenem Gebiete zu gelten, ist es als altbewährtes