Object : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

Wesen  und  Aufgabe  der  Organisation.

111

„zweckmäßigste  Gestaltung  der  Betriebe  im  Sinne  der  Lösung  bestimmter  Aufgaben“ 1
können  ebensowenig  als  wesentlich  anerkannt  werden  wie  „Schaffung  der  Grundlagen  für
den  zweckmäßigsten  Aufbau  aller  Tätigkeiten“  1  2 ,  wenngleich  sie  häufig  —  fast  immer  —  in
dem  Begriff  mit  enthalten  sein  werden.  „Bewußtes,  geregeltes  Zusammenwirken  der  Teile
zu  einem  Ganzen  gemeinsamer  Zwecke“  3 ,  wie  auch  die  Meinung  von  Sombart 4 ,  derdie  planmäßige ­
  und  bewußte  Vornahme  der  einheitlichen  Zusammenfassung  von  Menschen  zu  gemeinsamer ­
  Tätigkeit  als  Kennzeichen  nennt,  treffen  beide  den  Kern,  ohne  dessen  Inhalt  zu
nennen.  Sehr  nahe  kommt  ihm  Weigmann 5 ,  der  unter  Organisation  die  „planmäßige,  organische ­
  Zusammenfassung  von  Mensch  und  Betriebseinrichtung  unter  einen  Willen  zur  Steigerung ­
  des  Betriebserfolgs“  versteht.  Seidel 6  nennt  Organisation  „eine  Mehrheit  von  Organen,
die  als  Teile  eines  Ganzen  ...  unter  der  Herrschaft  eines  einheitlichen  Willens  stehen.“
Spann  sieht  den  Kern  des  Organisierens  in  der  Hervorrufung,  der  Veranlassung  der  „zu
organisierenden  geistigen  und  handelnden  Vorgänge“ 7 .  Bei  ihm  ist  Organisation  die  „Entfaltung ­
  eines  Geistigen  der  Führerschaft“,  der  die  Wirtschaft  als  rein  dienender  Aufbau  für
ein  „Geistiges“  untersteht.  Auch  hier  fehlt  das  konstitutive  Merkmal.  Schilling 8  sagt:
„Organisation  ist  die  Summe  der  zweckmäßig  ausgewählten  und  miteinander  zu  einer  Einheit
verbundenen  wissenschaftlichen  Mittel  zur  Erfassung,  Regelung  und  Kontrolle  der  Erscheinungen ­
  in  einer  soziologischen  Einheit  für  die  Ziele  des  Wirtsohaftens.“  Fast  alle  Autoren
betonen  in  ihren  Erläuterungen  und  Beispielen  das  „Mehr“  gegenüber  dem  „Bisher“  oder  dem
Vorhandenen,  ohne  allerdings  immer  zu  erkennen,  daß  gerade  dies  als  der  eigentlich  konstitutive ­
  Kern  der  Organisation  anzusprechen  ist.  Auch  die  Bedeutung  der  Wortherkunft  mag
dies  bestätigen:  Durch  Organon,  das  Werkzeug,  ist  eine  Verbesserung  der  bisherigen  Leistung,
ein  Mehr,  eine  größere  Sicherheit  der  Erhaltung  des  Lebens  gegenüber  der  Umwelt  ermöglicht.
Solange  diese  Werkzeuge  natürliche  blieben  —  die  Hand,  das  Auge  —,  gehörten  sie  zum
„Organismus“.  Die  Verbindung  des  natürlichen  Werkzeugs,  der  Hand,  mit  dem  künstlichen,
dem  Hammer,  zur  Erhöhung  der  Schlagkraft  oder  der  Feinheit  ist  die  Keimzelle  der  „Organisation“, ­
  deren  Ausbau  die  gesteigerte  Sicherheit  und  Verbesserung,  aber  auch  die  Vielfältigkeit, ­
  Empfindlichkeit  und  Erschwerung  des  menschlichen  Daseins  veranlaßt  haben  mag.
So  wird  Organisation  zu  einem  Weltgrundbegriff  (um  mit  Plenge  zu  sprechen),  sie  schafft
„Einheit  aus  der  Vielheit“  und  wird  nur  durch  den  menschlichen  Willen  behauptet 9 ,  sie  bedeutet, ­
  „als  geistiges  Wesen  tätig  sein“,  wie  Nioklisch  es  ausdrückt 10 .  Die  ethischen  und
psychologischen  Untersuchungen  von  Plenge  und  Nicklisch,  die  sich  beide  sehr  eingehend
und  tiefgründig  mit  diesem  Fragenkreis  befaßt  haben,  schufen  zwar  die  Grundlage  der  Organisationslehre, ­
  ohne  ihr  allerdings  eine  allgemeine  brauchbare  Form  geben  zu  können,  so  daß
bislang  ein  Ausbau  unterblieben  ist.  „Jede  Aufgabe  kann  und  muß  als  eine  organisatorische
betrachtet  werden“,  sagt  Bogdanow 11 ,  und  er  hat  damit  den  allgemeinsten  Standpunkt,  der
denkbar  ist,  eingenommen.  Seine  Auffassung  liegt  dem  vorliegenden  Versuch  einer  Systematik
zugrunde  und  hat  ihm  manche  wertvolle  Anregung  gegeben.
2.  Die  Organisation  und  der  Mensch.  Organisation  ist  immer  die  sinnvolle
Verbindung  von  menschlichen,  technischen  und  gedanklichen  Grundlagen 12 ;
ohne  diese  gleichwertige  und  gleichzeitige  Anwendung  wäre  die  Erzielung  eines
„Mehrwertes“  eben  nicht  denkbar.  Eine  Zerreißung  dieser  Grundlagen  bei  der
Untersuchung  der  Organisation  und  ihre  Zerlegung  etwa  in  eine  Organisation  der
Menschen,  der  Dinge  und  der  Gedanken  könnte  vielleicht  für  die  theoretische
Untersuchung  auf  anderen  Gebieten  fruchtbar  sein,  für  die  Erkenntnis  der  organisatorischen ­
  Vorgänge  im  Wirtschaftsbetrieb  müßte  sie  notwendig  Stückwerk
bleiben.  Nur  die  Gesamtbetrachtung  führt  zum  Ziel.
Wenn  man  denMenschen,  die  erste  Grundlage  jeder  betrieblichen  Organisation,
ins  Auge  faßt,  so  tritt  einem  ein  Gebilde  von  geradezu  ungeheurer  Mannigfaltigkeit
entgegen,  und  es  ist  daher  verständlich,  daß  man  seit  jeher  versucht  hat,  diese
Mannigfaltigkeit  zu  unterdrücken,  zu  vereinfachen  und  anzugleichen.  Die  Nichtbeachtung ­
  der  einfachen  Tatsache,  daß  die  Menschen  verschieden  sind,  hat  jedoch
immer  wieder  zu  Fehlurteilen,  Fehlhandlungen  und  Mißerfolgen  geführt.  Ganze
1  Nordsieok:  in  einer  Buchbesprechung  in  Z.  f.  hw.  F.  November  32,  S.  613/14.
2  Karsten:  Organisation  und  Leitung  technischer  Betriebe.  Berlin  1924.
3  Stolzmann:  S.  85.  4  Sombart:  Die  Ordnung  des  Wirtschaftslebens,  S.  3.
5  Weigmann:  Rentabilität  und  wirtschaftliche  Arbeit.  S.  70.
6  Seidel:  S.  8.  1  Spann:  S.  766.  8  Schilling:  S.  22.
9  Plenge:  S.  45ff.  10  Nioklisch;  Der  Weg  aufwärts:  Organisation,  S.  60.
11  Bogdanow:  Bd.  I,  S.  8.  12  Bogdanow:  S.  9.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.