Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

Bibliothek  des  Instituts
für  Weltwirtschaft  Kiel
Wesen  und  Aufgabe  der  Organisation.  113
bildung  —  ist  die  sachliche  Durchführung  der  einzelnen  Aufgaben  durch  die  mit
ihr  betrauten  Personen  oder  Personengruppen,  die  Gleichschaltung  von  Mensch
und  Aufgabe.  Fast  nie  stimmen  Kenntnisse  und  Fertigkeiten  der  einzelnen  Menschen ­
  nach  Art  und  Umfang  mit  den  Erfordernissen  der  zu  bewältigenden  Aufgaben ­
  überein.  Die  Angleichung  und  der  Ausgleich  der  Verschiedenheiten  erfolgt
durch  die  Funktionsbildung,  die  hier  kurz  angedeutet  werden  soll.
Zwischen  dem  Menschen  als  Träger  der  betrieblichen  Aufgaben  und  den  Aufgaben ­
  selbst  ergeben  sich  bestimmte  Beziehungen,  für  die  der  Ausdruck  Funktionen ­
  geprägt  worden  ist 1 .  Die  Funktion  soll  hier  (in  Anlehnung  an  die  mathematische ­
  Erklärung)  als  eine  Beziehung  zwischen  zwei  veränderlichen  Größen
angesehen  werden  (jede  Veränderung  der  einen  Größe  bedingt  eine  Veränderung
der  anderen,  ohne  daß  ein  ursächlicher  Zusammenhang  besteht).  Die  beiden  veränderlichen ­
  Größen  sind  hier;  Aufgabe  und  Aufgabenträger.  Das  Bestreben  geht
dahin,  beide  so  zu  verbinden,  daß  eine  restlose  Überdeckung  von  Aufgabe  und
Aufgabenträger  erfolgt,  daß  also  einmal  die  Aufgabe  in  richtiger  Weise  erledigt
wird,  daß  der  Aufgabenträger  ferner  für  diese  Aufgabe  richtig  ausgewählt  wird
—  paßt  —,  daß  die  Erledigung  endlich  zur  rechten  Zeit  und  im  richtigen  Zeitmaß
vor  sich  geht.  Zusammengefaßt:  Die  Erledigung  der  Aufgabe  muß  einwandfrei,
vollständig  und  fristgemäß  sein.
Das  ergibt  zunächst  die  Notwendigkeit,  die  Stufen  einer  Aufgabenerledigung
einer  genaueren  Untersuchung  zu  unterziehen.  Sie  können  unterschieden  werden
als:  Einleitung,  eigentliche  Ausführung  und  Überwachung  der  Erledigung.  Alle
drei  zeigen  sich  einer  näheren  Betrachtung  wieder  als  Oberbegriffe;  die  Einleitung
setzt  sich  zusammen  aus  der  Vorüberlegung,  der  Vorbereitung  und  dem  Anstoß,  die
Ausführung  kann  teil-  und  abschnittsweise,  ferner  mit  Hilfeleistungen  erfolgen,
die  Überwachung  umfaßt  die  Aufsicht  während  der  Durchführung  und  die  Prüfung ­
  des  Ergebnisses.
Daraus  folgt  weiter,  daß  auch  die  Verknüpfung  zwischen  Aufgabenträger  und
Aufgabe  auf  verschiedene  Arten  möglich  ist;
a)  Einmal  ist  die  Zusammenfassung  aller  Funktionen  im  Hinblick  auf  eine
Aufgabe  in  einem  Aufgabenträger  denkbar,  d.  h.  die  Erledigung  einer  bestimmten
Aufgabe  erfolgt  voll  und  ganz  (von  Vorüberlegung,  Vorbereitung,  Anstoß  über
Durchführung  mit  Hilfs-  und  Nebenarbeiten  zur  Aufsicht  und  Prüfung)  durch  eine
einzige  Person.  Es  ist  dies  die  unterste  Stufe  der  Aufgabenerledigung,  die  geschlossenste ­
  Verbindung  von  Mensch  und  Aufgabe,  organisatorisch  aber  offenbar
wenig  ergiebig;  ich  möchte  sie  die  erste  Potenz  der  Organisation  nennen.
b)  Ferner  ist  die  Streuung  der  Funktionen  nach  Aufgaben  denkbar,  d.  h.  die
in  einem  Aufgabenträger  vereinigten  Gesamtfunktionen  verteilen  sich  auf  mehrere
Aufgaben.  Gegenüber  der  vorigen  Stufe  ist  diese  Art  der  funktionalen  Verknüpfung ­
  von  Mensch  und  Aufgabe  einesteils  ein  Rückschritt,  wenn  nämlich  die  Kenntnisse ­
  und  Fähigkeiten  verzettelt  werden:  die  organisatorische  Potenz  sinkt  unter  I.
Aber  es  sind  dabei  doch  verschiedene  Möglichkeiten  zu  beachten:  der  einzelne  Aufgabenträger ­
  kann  einmal  seine  Arbeitskraft  so  verteilen,  daß  er  bei  verschiedenen
Aufgaben  verschiedene  Punktionen  zu  versehen  hat.  So  zählt  Nordsieck 1  2  zum
Beispiel  folgende  funktionalen  Möglichkeiten  eines  Aufgabenträgers  in  bezug
auf  mehrere  Aufgaben  auf:
a)  Eigentliche  Ausführung  (Vollhearbeitung)  einer  Aufgabe.
b)  Teilbearbeitung  einer  (zweiten)  Aufgabe.
c)  Hilfeleistung  einer  (dritten)  Aufgabe.
d)  Kontrolle  einer  (vierten)  Aufgabe.
1  Siehe  Nordsieck:  Sohaubildliohe  Erfassung  ...,  S.  21.
2  Nordsieck:  S.  21.
Prion,  Die  Lehre  vom  Wirtschaftsbetrieb.  III.

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