fullscreen : Die wirtschaftlichen und politischen Motive für die Abschaffung des britischen Sklavenhandels im Jahre 1806/07

Zweites  Kapitel.
Die  Bedeutung  des  Sklavenhandels  für  die
britische  Volkswirtschaft.

Von  der  Bedeutung  des  Sklavenhandels  für  die  englische
Volkswirtschaft  läfst  sich  in  dreifacher  Hinsicht  sprechen,  je
nachdem  man  ihn  vom  Standpunkt  des  britischen  Rheders,
des  englischen  Manufakturisten  oder  des  westindischen  Pflanzers
aus  beurteilt.
In  erster  Hinsicht  lag  seine  Bedeutung  klar  auf  der  Hand.
Blofs  zum  Transport  derjenigen  Güter,  die  zum  Tauschhandel
von  England  nach  Afrika  gebracht  wurden,  sowie  zur  Beförderung ­
  der  40000  Neger,  die  in  den  1780er  Jahren  von  den
Engländern  nach  Amerika  verschifft  wurden,  waren  130  bis
140  Segelschiffe  erforderlich,  auf  welchem  4—5000  Matrosen
und  Offiziere,  nebst  den  zugehörigen  Rhedern,  Kaufleuten,
Kommissionären  und  Agenten,  in  England  oder  in  den  afrikanischen ­
  Kontoren  Beschäftigung  und  Brot  fanden.  Der  Hauptsitz ­
  des  Handels  war  Liverpool,  das  weit  über  die  Hälfte,
etwa  80—90  aller  britischen  Sklavenschiffe  ausrüstete.  Daneben ­
  waren  noch  Bristol  und  London  mit  zusammen  nur
40  Schiffen  däran  beteiligt.  Von  dem  Gesamthandel  Liverpools ­
  soll  der  Sklavenhandel  aber  nur  den  13.,  nach  Wilberforce
(18.  IV.  1791,  H.  o.  C.)  gar  nur  den  15.  Teil  betragen  haben
(170000  Tonnen  gegen  13000).  Clarkson  (Impolicy,  S.  123)
wendet  sich  scharf  gegen  die  gewöhnliche  Überschätzung  seiner
Bedeutung,  z.  B.  gegen  die  Meinung,  dafs  Liverpool  dem
Sklavenhandel  seinen  Reichtum  verdanke.  Letzterer  stammte
vielmehr  aus  seiner  fremdenfreundlichen  Politik,  auch  aus  seinem
Salzhandel,  dem  schnellen  Aufschwung  der  Industrie  in  Manchester, ­
  der  starken  Bevölkerungszunahme  von  Lancashire,
und  besonders  aus  seinen  vorzüglich  angelegten  Schiffahrtskanälen. ­

Immerhin  stärkten  die  im  Sklavenhandel  beschäftigten
4-—5  000  Seeleute  die  nationale  Wehrkraft  Grofsbritanniens  in
            
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