Zweites Kapitel.
Die Bedeutung des Sklavenhandels für die
britische Volkswirtschaft.
Von der Bedeutung des Sklavenhandels für die englische
Volkswirtschaft läfst sich in dreifacher Hinsicht sprechen, je
nachdem man ihn vom Standpunkt des britischen Rheders,
des englischen Manufakturisten oder des westindischen Pflanzers
aus beurteilt.
In erster Hinsicht lag seine Bedeutung klar auf der Hand.
Blofs zum Transport derjenigen Güter, die zum Tauschhandel
von England nach Afrika gebracht wurden, sowie zur Beförderung
der 40000 Neger, die in den 1780er Jahren von den
Engländern nach Amerika verschifft wurden, waren 130 bis
140 Segelschiffe erforderlich, auf welchem 4—5000 Matrosen
und Offiziere, nebst den zugehörigen Rhedern, Kaufleuten,
Kommissionären und Agenten, in England oder in den afrikanischen
Kontoren Beschäftigung und Brot fanden. Der Hauptsitz
des Handels war Liverpool, das weit über die Hälfte,
etwa 80—90 aller britischen Sklavenschiffe ausrüstete. Daneben
waren noch Bristol und London mit zusammen nur
40 Schiffen däran beteiligt. Von dem Gesamthandel Liverpools
soll der Sklavenhandel aber nur den 13., nach Wilberforce
(18. IV. 1791, H. o. C.) gar nur den 15. Teil betragen haben
(170000 Tonnen gegen 13000). Clarkson (Impolicy, S. 123)
wendet sich scharf gegen die gewöhnliche Überschätzung seiner
Bedeutung, z. B. gegen die Meinung, dafs Liverpool dem
Sklavenhandel seinen Reichtum verdanke. Letzterer stammte
vielmehr aus seiner fremdenfreundlichen Politik, auch aus seinem
Salzhandel, dem schnellen Aufschwung der Industrie in Manchester,
der starken Bevölkerungszunahme von Lancashire,
und besonders aus seinen vorzüglich angelegten Schiffahrtskanälen.
Immerhin stärkten die im Sklavenhandel beschäftigten
4-—5 000 Seeleute die nationale Wehrkraft Grofsbritanniens in