schaftliche Verwendung vorausgesetzt, wird dieser
Kredit zur Vermehrung des Nationalvermögens hei-
tragen, und zwar mit dem Betrag, um den der erzielte
Reinertrag die Entschädigung an das Ausland für
Zinsen und Unternehmergewinn übertrifft. Fs kommt
also nur darauf an, daß ökonomisch gewirtschaftet
wird. Man kann daher nicht sagen, die Zahlungs-
bilanz sei günstig, weil sie „aktiv” oder ungünstig,
weil sie „passiv” ist. Entscheidend ist vielmehr, wie
der durch die Vermögenverschiebung, die die Kredit-
gewährung mit sich bringt, erzielte Reinertrag auf
Kreditgeber und Kreditnehmer aufgeteilt wird, mit
anderen Worten: die wirtschaftliche Verwendung des
gewährten Kredites.
Was die zahlungsbilanzstatistischen Arbeiten der
neueren Zeit ‚betrifft, so. konnte das Österreich der
Vorkriegszeit auf eine auch im Ausland anerkannte,
vielleicht vorbildliche Arbeit hinweisen. Es sind dies
die vom k. k. Finanzministeriuum in den Jahren 1900
bis 1004 herausgegebenen „Tabellen zur Währungs-
statistik”, die auch eine eingehende Darstellung der
Elemente der Zahlungsbilanz Österreich-Ungarns in
der Periode 1892 bis 1901 enthalten. Eine Ergänzung
für die folgenden Jahre bis 1913 erfuhr diese Publi-
kation durch eine im Jahre I917 von Min.-Rat
Dr. Bartsch veröffentlichte Untersuchung.
In der Nachkriegszeit waren es die praktischen
Sorgen des Wirtschaftslebens in jenen Ländern, die
— meist im Zusammenhang mit der Stabilisierung des
Geldwertes — von mehr oder weniger schweren Krisen
heimgesucht wurden, die das Interesse an der Frage,
welche Position die nationale Wirtschaft in der Welt-
wirtschaft einnimmt und wie die wirtschaftlichen Be-
ziehungen zum Ausland sich voraussichtlich künftig
gestalten werden, also das Interesse an der Ge-
staltung der Zahlungsbilanz des eigenen Landes von
neuem erweckten. So bringen die Publikationen des
Völkerbundes seit einigen Jahren Daten über die
Zahlungsbilanzen zahlreicher europäischer und außer-
europäischer Staaten. Der im Jahre 1927. erschienene
Band „Commerce international et balances des paie-
ments 1012-1926, vol. I” enthält unter anderem
auch die damals zur Verfügung gestandenen — frei-
lich sehr spärlichen — Daten der Zahlungsbilanz
Österreichs für die Jahre 1923 und 1024. Wie sehr
das Interesse an der Gestaltung der Zahlungsbilanz
eines Landes in der letzter. Zeit allgemein zugenom-
men hat, mag daraus ersehe n werden, daß außer den
großen europäischen Staaten, der Tschechoslovakischen
Republik und den Vereinigten Staaten, die seit
einigen Jahren ziemlich eingehende Daten über ihre
Zahlungsbilanz bringen, in jüngster Zeit auch Jugo-
slawien, Bulgarien und Griechenland einige einschlägige
Daten publiziert haben. Eine sehr eingehende Zahlungs-
bilanzstatistik veröffentlicht das deutsche Statistische
Reichsamt in der Zeitschrift „Wirtschaft und Statistik”
und in den „Vierteljahrsheften zur Konjunktur-
:orschung”., Sie umfaßt derzeit den Zeitraum von
1924 bis I. Halbjahr 1927.
Untersuchung der österreichischen
Zahlungsbilanz.
Unter dem Eindruck der wirtschaftlichen Schwierig-
keiten in der ersten Nachkriegszeit begann sich die
wirtschaftliche Publizistik auch bei uns für das Problem
der Zahlungsbilanz lebhaft zu interessieren. Von den
nschlägigen Publikationen seien hier nur jene von
Stolper, Hertz und Gebert, ferner die Untersuchung
der Völkerbundexperten Rist und Layton erwähnt:
sie schwanken zwischen zuversichtlichem Optimismus
ınd äußerstem Pessimismus. Die Pessimisten gingen
zielfach so weit, die Frage, ob der neue Staat, der
m höchsten Maß auf die Einfuhr der lebenswichtig-
;ten Güter angewiesen und. dabei durch die Friedens-
verträge von seinen natürlichen Versorgungs- und
Absatzgebieten abgeschnitten war, überhaupt jemals
mstande sein werde, diese Einfuhr mit den Produkten
jeiner Arbeit zu bezahlen, entschieden zu verneinen.
Die seitherige Entwicklung unserer Wirtschaft, ihre
anzweifelhafte, anhaltende Besserung und ihre ver-
1ältnismäßige Konsolidierung haben bewirkt, daß die
Sffentliche Meinung heute über diese Frage wesent-
ich beruhigter denkt. Daß diese Beruhigung auch
aus dem Gesichtswinkel der Zahlungsbilanz begründet
st, soll hier gezeigt werden. Die vom Bundes-
ninisterium für Finanzen im Jahre 1024 eingeleitete
Untersuchung erstreckte sich zunächst auf die beiden
arsten Jahre nach der Stabilisierung und wurde später
auf die Zeit bis Ende 1927 ausgedehnt.
IL. Methode und Schema der Untersuchung.
Auf dem Gebiete der Zahlungsbilanzstatistik muß
zrößtenteils, und zwar gerade bei den ausschlagge-
venden Posten der Bilanz mit mehr oder weniger
schwach fundierten Größen gearbeitet werden. Be-
iondere Schwierigkeiten ergeben sich für Länder, die
zäne Währungsstabilisierung mitgemacht haben, aus
Jen für die erste Zeit nach der Stabilisierung typischen
Wirtschaftskrisen und deren Begleiterscheinungen,
aus den außerordentlichen Schwankungen der Waren-
preise und Effektenkurse und der dadurch verursachten
;pekulativen Kapitalsbewegung zwischen In- und
Ausland. Für das neugeschaffene Österreich aber
waren und sind die Schwierigkeiten methodischer
Natur deshalb noch um ein Vielfaches gesteigert, weil
die internationalen Verkehrsbeziehungen des heutigen
Österreich eine wesentlich kompliziertere Struktur
aufweisen als jene des Vorkriegs-Österreich. Für die
/ahlungsbilanz des letzteren hatten außer den aus
dem Außenhandel enstehenden Zahlungsverpflichtun-
zen nur wenige, leicht zu übersehende Gruppen von
Verpflichtungsursachen eine entscheidende Bedeutung,
in der Hauptsache: Verpflichtungen und Forderun-