nacht. Das war an und für sich kein Unglück, hin-
derte aber doch stark die so notwendige Ergänzung
ind Erweiterung des Inventars. Es mußte daher mit
den bescheidenen inländischen Mitteln, welche
zrößtenteils aus den Spareinlagen der Railfeisenkassen
and auf dem Hypothekenmarkte der Sparkassen und
Hypothekenanstalten aufgebracht wurden, das Aus-
langen gefunden werden. Daneben gewährte lediglich
der Staat aus den Mitteln der Völkerbundanleihe
bescheidene Kredite, und zwar einerseits für die ge-
meinsame Beschaffung von Kunstdünger und Saatgut,
anderseits zur Errichtung neuer Molkereien und Sen-
nereien. Erst mit der Errichtung der genossenschaft-
lichen Einrichtung-der Girozentrale wurde ein gemein-
3ames Kreditinstitut geschaffen, das, mit entsprechenden
Mitteln dotiert, auch in der Lage sein wird, den
Geldmarkt in größerem Umfange der österreichischen
Landwirtschaft zu erschließen. Noch sind die Eigen-
mittel dieses Institutes, an dessen Errichtung. sich
auch das reichsdeutsche Genossenschaftswesen in
beträchlichem Ausmaße beteiligt hat, im Hinblick auf
den großen Aufgabenkreis des Institutes zu klein.
Doch ist wenigstens ein Anfang zur Lösung des
Kreditproblems im großen gemacht worden. Staat und
Nationalbank und das ganze landwirtschaftliche Ge-
ü10ssenschaftswesen müssen mithelfen, damit dieses
unter hervorragender, ernster Führung stehende In-
Stitut sich entsprechend entwickeln und zu einer
8roßen Geld- und Kreditzentrale für die ganze öster-
°eichische Landwirtschaft werden kann.
Infolge der hier so ausführlich geschilderten
Kreditverhältnisse hat sich auch die Verschul-
dung der österreichischen Landwirtschaft bisher
in erträglichen Grenzen gehalten, doch ist sie gerade
in den letzten Jahren im Ansteigen begriffen. Sie
Jürfte derzeit etwa 1CO Schilling pro Hektar be-
tragen, auf intensiv bewirtschaftetem Boden, insbeson-
dere im Weinlande, mehr. Die Frage der Beschaffung
Sines entsprechenden Betriebs- und Investitionskredites
für die österreichische Landwirtschaft bleibt aber nach
wie vor ein wichtiges offenes Problem, dessen Lösung
Däher getreten werden muß. Hicbei wird es sich in
rster Linie um die Erlangung von Geldmitteln zu
billigen Bedin gungen handeln, da die Rentabilität
der österreichischen Landwirtschaft, wenn auch im
Fortschreiten, so doch nicht genügend groß ist, um
die Verwendung teuren Geldes zu gestatten. Hin-
Zegen spielt sowohl die Frage der Kreditfähigkeit als
auch der Kreditwürdigkeit bei der Lösung des Kredit-
problems eine geringere Rolle. Nach einer grund-
legenden Arbeit von Dr. Friedrich B eil’), Ministerial-
’at im Bundesministerium für Land- und Forstwirt-
schaft, kann das land- und forstwirtschaftliche Ver-
mögen, und zwar allein der Boden samt Viehstand
Dhne sonstiges Inventar, mit mindestens zehn Mil-
——
„ %) „Oesterreichs Land- und Forstwirtschaft”, Wirtschafts-
Zeitungs-Verlag, Wien 1927.
iarden Schilling bewertet werden. Den Ertrag der
and- und forstwirtschaftlichen Ernte wird man je
‚ach Ernteausfall und Absatzverhältnissen mit zwei
»is drei Milliarden beziffern können. Demgegenüber
st die heute bestehende Belastung verhältnismäßig
zering, so daß genügende Kreditunterlagen vorhanden
vären. Die Kreditwürdigkeit der Landwirtschaft ist
lurch ihre Produktionskraft und durch die vorhan-
lene und noch mögliche Rentabilität der Betriebe
zegeben.
Auch die Lage des Arbeitsmarktes war für die
‚andwirtschaft im verflossenen Dezennium nicht
‚ünstig. Die durch den Krieg eingetretenen Verluste
ın Arbeitskräften konnten nur schwer ersetzt werden,
;o daß sich überall im Gegensatz zur Lage in der
ndustrie Mangel an Arbeitskräften zeigte. Die Ver-
‚uche, industrielle und städtische Arbeitskräfte der
‚andwirtschaft zuzuführen, haben trotz Bemühungen
ceine nennenswerten Ergebnisse gezeitigt. Die Land-
virtschaft stellt eben an die menschliche Arbeitskraft
\nforderungen, denen der industrielle Arbeiter und
stadtbewohner meist nicht mehr gewachsen ist. Nur
vereinzelt war es möglich, Arbeitskräfte, die aus der
_andwirtschaft stammten, wieder der Landwirtschaft
‚uzuführen. Selbstverständlich wurd? bei dieser Sach-
age nichts unversucht gelassen, um eine weitgehende
iationalisierung der Arbeit in der Land- und Forst-
wirtschaft herbeizuführen, wobei landwirtschaftliche
Maschinen und Geräte aller Art beschafft wurden,
ı1amentlich in der Zeit, da die Währungsinflation zum
\rwerb von Sachgütern drängte und anderseits den-
jelben auch durch die mit ihr verbundenen höheren
Lebensmittelpreise ermöglichte. Auch das ist ein
zroßes Verdienst unserer Landwirtschaft, daß die so
szewonnenen Mittel nicht, wie sonst vielfach üblich
lurch eine bessere Lebensführung konsumiert, sondern
n den Dienst der Wirtschaft gestellt wurden. Leider
zeht die Beschaffung von Geräten und Maschinen
lerzeit in einem bedeutend langsameren Tempo vor-
wärts,. so daß auch hier wieder besondere Probleme
antstehen und zu überwinden sind. Es wird sich hiebei
n erster Linie um die Erzeugung und Bereitstellung
ron erstklassigen normalisierten Maschinen und Ge-
äten zu billigen Preisen handeln. Vielleicht wird das
ı1eue Kuratorium für Wirtschaftlichkeit, das die drei
ıroßen Kammergruppen (Handelskammern, Arbeiter-
:ammern und Landwirtschaftskammern) aufgebaut
at, auch zur Lösung dieses Problems wesentlich
‚eitragen können. Im übrigen wird es insbesondere
\ufgabe des landwirtschaftlichen Genossenschafts-
vesens sein müssen, die bäuerliche Bevölkerung bei
ler Beschaffung von landwirtschaftlichen Maschinen
ınd Geräten zu beraten und die besten gang-
»aren Typen selbst auf Lager zu halten und zu liefern.
An dieser Stelle muß betont werden, daß das
andwirtschaftliche Genossenschaftswesen sich heute
n Oesterreich überall wieder gefestigt hat und zu
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