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Gespräch auf den Umstand, dass Wahnsinnige oft Staatslenker
sich zum Opfer ersähen, und kam dann auf die nihilistische
und socialistische Bewegung in Europa und ihre Gründe zu
sprechen, die er sehr richtig aus ökonomischen Verhältnissen
— zum Theile aber nur — erklärt fand, und sprach von den
Ansichten, welche Spencer vor lo Jahren über das Eigenthum
entwickelt habe. Der Inhalt der höchst interessanten Unter
redung, welche nun folgte und die der Präsident fortwährend
lenkte, muss natürlich privat bleiben, aber es ist gestattet, zu
sagen, dass die streng religiöse Auffassung des Präsidenten
sehr stark in ihr hervortrat. Daneben fesselte uns die Origi
nalität der Vergleiche und die kurze, schlagende Generali-
sirung, mit der er Erscheinungen socialer Natur unt^r ein Ge
setz brachte, ohne dabei im Mindesten einem deutschen
Professor zu gleichen. Sein äusserst klarer Verstand be
herrschte eine ungemeine Lebenserfahrung und classificirte die
lîinzelheiten sozusagen spielend. Er schloss mit der Klage,
dass diejenigen zwei Staatsoberhäupter, Alexander 11. und
läncüln, welche in diesem Jahrhunderte und überhaupt die
meisten Sclaven zu freien Menschen gemacht hätten. Beide
Attentaten erlegen seien. Wenn er länger und warm sprach,
zeigte sich der bedeutende Redner, der er im Congress in der
That gewesen ist. Seine Haltung — ein grosser, fast gewal
tiger Mann auf einem thronartigen Sessel — beim lebhaften
Sprechen nur leise vorgebeugt, wie wenn er einen Gedanken
verfolge, und sofort wieder in die stolz aufrechte Haltung sich
erhebend, war voller Würde. Der Abschied, bei dem er uns
abermals die Hände schüttelte und uns Erfolg und Vergnügen
während der Reise durch das Land, dessen Oberhaupt er
war, wünschte, war leutselig, fast herzlich. Mit der Ueber-
zeugung, dass die Amerikaner einen ganzen Mann, und zwar
einen „selbstgemachten“, zum Präsidenten haben, verliessen
wir das „weisse Haus“.
Nachdem wir uns von dem Staatssecretär verabschiedet
hatten, besuchten wir den Chef der Statistik, General Walker,
um uns von ihm statistische Daten zu erbitten, die er uns zu
sammenzustellen bereitwilligst zusagte. Gleichzeitig gab er