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Haus vor dem zweiten Kauf oder bald nachher veräußert haben, so
mögen vielleicht die hohen Differenzen von 21, 19, 24 Jahren zwischen
der Einschreibung im Meisterbuch und zwischen dem Hauskauf auf diese
Weise eine Erklärung finden. Im übrigen besagen die Zahlen, daß der
Hauskauf im allgemeinen erst nach der Meisterwerdung vorgenommen
wurde, nur in einem Falle fand der Hauskauf zwei Jahre vorher statt.
Letztere Tatsache erscheint aber weniger wichtig, als die Fälle, wo
zwischen der Meisterwerdung und dem Hauskauf ein Zeitraum von
einigen oder mehreren Jahren liegt; denn hier erhebt sich die Frage, wo
haben diese Jrher in der Zwischenzeit gearbeitet? Von
einer ganzen Reihe von Jrhern haben wir einen Hausverkauf beobachtet,
und bei diesen erhebt sich die ähnliche Frage, wohin sind sie nach dem
Verkauf ihres Hauses gezogen?Z Letzteres freilich sind zwei Fragen,
welche zwar zu Vermutungen Anlaß geben können, aber diese sollen, da
eine genaue, ins Detail gehende Untersuchung anderer Straßen einer
mittelalterlichen Stadt nach Art der vorliegenden Untersuchung nicht
vorliegt, da sie also auch nicht begründet werden können, hier nicht
ausgesprochen und in ihren Konsequenzen verfolgt werden.
Im Anschluß daran wollen wir noch eine statistische Beobachtung
über die Erblichkeit im Handwerk anstellen. Die Nürnberger
Meisterbücher bieten hierzu ein sehr geeignetes, auf 200 Jahre sich er
streckendes Material, und zwar aus der Zeit vor 1383—1579, ein
Zeitraum, für welchen die Erblichkeit als eine typische Erscheinung, fast
als ein Dogma des Handwerks angenommen wird.
Ein Abstand zwischen Vater und Sohn von 20 bis 30 Jahren wird
das Normale sein. Wir müssen daher im folgenden gleichlautende Namen,
zwischen deren Meisterwerdung eine Zeitdifferenz von weniger als 16 und
mehr als 35 Jahren liegt, als durch Erblichkeit nicht mehr zusammen
hängend betrachten. Verschiedenheiten in der Schreibung des Namens, wie
Egen, Egenn ; Diebolt, Diepolt; Graf, Grafs; Leysnstreyt, Leysenstrit usw.
werden nicht berücksichtigt, die betreffenden Namenträger werden als
Angehörige der gleichen Familie behandelt, so daß also die folgenden
Ergebnisse Maximalzahlen darstellen, schon auch deswegen, weil Träger
gleicher Namen auch als Angehörige gleicher Familien angesehen werden,
was natürlich nicht immer der Fall ist.
Die Familie, deren Name 7 mal vorkommt, führt den Namen
Litzner, Lytzner, Lützler; die drei Familien, deren Name 6 mal vorkommt,
führen mit ähnlichen Variationen die Namen Schmid, Hofman, Graf;
die 5 mal vorkommenden Familiennamen sind Kellner, Kroner, Scherl,
ebenfalls mit Variationen.
') Vergl. S. 331, 333.