Full text : Die obligatorische Krankenversicherung

EINNAHMEQUELLEN UND FINANZGEBAREN 565
schiedenen Versicherungsträger ergibt sich hauptsächlich daraus,
dass die berufliche Gliederung und die Zusammensetzung nach
Geschlecht und Alter von einer Kasse zur anderen stark wechselt
und häufig selbst innerhalb ein und derselben Kasse schwankt.
Erinnert man sich daran, was oben über den Wechsel der Erkrankungshäufigkeit
 je nach Alter, Beruf und Geschlecht gesagt worden
ist, so sieht man, welchen Umfang die sich daraus ergebenden
Abweichungen haben können. Die Gefahr wird besonders gross
sein, wenn trotz der Vielheit der Kassen der Tarif einheitlich
festgesetzt und für die Gesamtheit der Bevölkerung errechnet
ist. Diejenigen Gesetzgebungen, die jeder Kasse gestatten, ihren
eigenen. Beitrag zum mindestens innerhalb gewisser Grenzen festzusetzen,
 haben in dieser Beziehung eine gewisse Überlegenheit.
Drittens kann die Verwaltung der Finanzen mehr oder minder
sorgfältig durchgeführt werden. Das Vermögen der Kasse kann
mit grösserer oder geringerer Vorsicht angelegt werden. Einzelne
Kassen können grosszügig sein, andere wieder sehr sparsam,
vielleicht sogar zu sparsam. Wenn auch die staatlichen Aufsichtsbehörden.
 ihre Aufgaben noch so genau durchführen, so
können sie doch Ungleichheiten nicht ganz verhindern.
Zur Abwehr dieser verschiedenen Gefahren, die dem finanziellen
Gleichgewicht der Kassen drohen, wird eine ganze Anzahl von
Kassen nur auf die Mittel zurückgreifen können, die ihnen aus
ihren zu beschränkten Reserven zur Verfügung stehen, die häufig
bereits erschöpft sein werden, ehe sie überhaupt eine zulängliche
 Höhe erreicht haben können. Berücksichtigt man ferner,
dass die Verwaltungskosten in dem Fall, der uns gegenwärtig
beschäftigt, verhältnismässig höher sind, so wird man geneigt sein,
einer zentralen Organisation der Versicherung oder zum mindesten
der Zusammenfassung der Versicherten zu grossen Versicherungsgemeinschaften
 den Vorzug zu geben.
Demgegenüber machen die Anhänger der kleinen Kassen geltend,
 dass bei einem System der strengen Zentralisierung der
Versicherung die örtlichen. Organe der Versicherung nichts weiter
als Einnahme- und Zahlstellen darstellen und. daher weniger daran
interessiert sind, die Gelder der Versicherung mit besonderer
Sorgfalt zu verwalten. Sie betonen, dass die Krankenversicherung
den Charakter einer stark individuellen Versicherung trägt, die
eine unmittelbare, persönliche, strenge und doch taktvolle Kontrolle
 über die Versicherten verlangt, und vertreten die Auffassung,
dass eine solche vorsichtige, aber doch sichere Kontrolle leichter
durch die kleinen Kassen ausgeübt werden kann. Dieser Hinweis
            
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