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Kap. XI. Der Geldwert.
Elftes Kapitel.
Der Geldwert.
850. Einleitung.
Unsere bisherigen Untersuchungen über das Geld haben gezeigt,
daß die Skala, in der alle Preise gerechnet werden und die an und
für sich nur eine abstrakte Rechnungsskala ist, überhaupt nur dann
eine Stabilität besitzen kann, wenn für die in dieser Preisskala geltenden
Zahlungsmittel eine bestimmte Knappheit besteht. Wäre ein Zahlungs-
mittel in unbegrenzter Menge zu haben, könnte offenbar jeder Preis
für Waren und Dienste geboten werden. Eine gewisse quantitative
Begrenzung der Zahlungsmittelversorgung ist demnach eine unerläß-
liche Bedingung einer stetigen Preisbildung, also eines bestimmten
Gleichgewichts zwischen Geld und Waren. Es ist dann auch ohne
weiteres klar, daß die Quantität der Zahlungsmittel eine bestimmte
Wirkung auf die Preisbildung ausüben muß, und zwar in der Richtung,
daß eine reichlichere Zahlungsmittelversorgung an sich eine Tendenz
hat, die Preise auf einem höheren Niveau zu halten. Bei reichlicherer
Zahlungsmittelversorgung bekommt man also weniger für die Einheit
des Geldes: Der „Geldwert‘‘ ist niedriger.
Die Knappheit der Zahlungsmittelversorgung, die demnach zur
Aufrechterhaltung eines stabilen Geldwertes erforderlich ist, gilt natür-
lich von der gesamten Zahlungsmittelversorgung. Die Stabilität des
Geldwertes erfordert also eine bestimmte Knappheit nicht nur des
Geldes im eigentlichen Sinne, sondern auch anderer Zahlungsmittel, die
nicht Geld sind, aber gleichwohl zur Erfüllung von auf Geld lautenden
Zahlungsverpflichtungen benutzt werden können, und der Geldwert
muß in einer gewissen Abhängigkeit von der quantitativen Begrenzung
aller dieser Zahlungsmittel stehen. Jedes Zahlungsmittel wird in der
Tat, wie wir gefunden haben, in erster Linie charakterisiert durch die
für dasselbe eigentümliche Art der Begrenzung seiner Menge. In den
beiden vorigen Kapiteln haben wir die spezielle Art dieser Begrenzung
für das Metallgeld, das Papiergeld und. die Bankzahlungsmittel kennen
gelernt. Beim Studium der einzelnen Geldformen sowie auch der
Zahlungsmittel, die nicht Geld sind, trat immer dieses Moment: der
Begrenzung der Zahlungsmittelversorgung in den Vordergrund. Dabei
konnten wir diese Begrenzung nur als eine notwendige Bedingung eines
stabilen Geldwertes in Betracht ziehen, mußten aber ihre Wirkung auf
den Geldwert, also die quantitative Abhängigkeit des Geldwertes von
der Geldmenge, vorläufig beiseite lassen. Was uns jetzt übrig bleibt,
um unserer bisherigen Darstellung des Geldwesens einen logischen