verständlich das größte Interesse und begleitet die heutige Tagung mit
den besten Wünschen.
Die Autostraße, welche die Endpunkte Berlin—Rom verbinden soll,
durchquert Bayern auf die sehr große Länge von rund 400 km. Die Linie
ist ungefähr die gleiche, auf der die uralten Handelswege von Deutsch-
land und Italien führten. Die gleichen Orte, die einst die Handelszüge
der Fugger und Welser sahen, der Brennerpaß, über den während des
zanzen Mittelalters und weit noch in die Neuzeit hinein bayerisches Salz,
Nürnberger Tand und Augsburger Tuche nach dem Süden und umgekehrt
wieder aus den Haupthandelsplätzen des Mittelmeers, Venedig usw., Ge-
würze und Spezereien des Orients nach Deutschland geführt wurden,
sollen künftig von der Autostraße berührt werden. auf der die modernsten
Verkehrsmittel vorbeiflitzen werden.
Meine Herren! Die bedeutungsvolle Frage, die uns heute beschäftigt,
ist eine Frage der Verkehrs- und Wirtschaftspolitik auf weite Sicht. In
dieser Beziehung teile ich vollkommen die Anschauung meiner Herren
Vorredner. Auch ich bin der Meinung, daß zunächst die vorhandenen
Staatsstraßen ausgebaut werden müssen und daß nur einzelne Teil-
strecken für eine eigene Automobilstraße in Frage kommen können. Ich
denke hier vor allem an die Durchführungs- und Umgehungsstraßen
großer Städte, an die Verbindung nahe beieinanderliegender großer
Städte oder auch an solche Straßenverbindungen, bei denen besonders
günstige Wirtschafts- und Verkehrsverhältnisse bestehen. Ich kann mir
z. B. denken, daß das Projekt einer Autostraße von München, dem Ost-
ufer des Starnberger Sees entlang nach Seeshaupt mit späterer Fort-
setzung nach Garmisch-Partenkirchen, das die Bauunternehmung Sager
& Wörner, München, im Benehmen mit Puricelli, dem bekannten
italienischen Straßenfachmann, ausgearbeitet und vorgelegt hat, unter
Umständen als verkehrspolitisch und volkswirtschaftlich vertretbar und
finanziell durchführbar anzusehen ist. Handelt es sich doch hier um die
Erschließung einer landschaftlich herrlichen Gegend in der Nähe einer
großen Stadt für den Ausflugsverkehr und um den Ersatz einer schon
lange angestrebten Eisenbahn in einem Gebiete, wo bisher eine große
durchgehende Straße noch nicht vorhanden ist, Ähnlich werden einzelne
Teilstrecken noch weiter sich finden lassen, auf denen in den nächsten
Jahrzehnten eine Autostraße durchführbar erscheint.
Derartige Autostraßen werden selbstverständlich von den beteiligten
Städten und sonstigen Interessenten durchgeführt und finanziert werden
müssen. Die Regierungen und die Straßenverwaltungen der einzelnen
Länder dagegen werden ihre Aufgabe darin sehen, die vorhandenen
Staatsstraßen, die im Zuge der geplanten Linie liegen und an die die Auto-
straßen anschließen, bevorzugt auszubauen. Die bayerische Staatsbauver-
waltung, die größte einheitliche Straßenverwaltung Deutschlands, ist bis-
her schon in diesem Sinne vorgegangen und wird ihr ganz besonderes
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