B. Betrachtungen
werklich⸗wirtschaftlichen Epoche noch unbekanntes Wort. Man ver⸗
gleiche den Kundenschuster mit dem Inhaber einer modernen Schuh⸗
warenfabrik und dessen Gesellen mit den Teilarbeitern der an der
Verfertigung eines Stiefels beteiligten Sohlen⸗, Schäfte⸗ und Schuh⸗
fabriken. Man erwaͤge die Unzahl der Zwischeninstanzen, die sich in
diesem wie in anderen Faͤllen der industriellen Arbeitsteilung zwischen
Verfertiger und Käufer schieben. Die restlose Aufhebung der un⸗
mittelbaren Gegenseitigkeit zwischen Verfertiger und Käufer wird
hieran schlagartig klar.
Damit aber ist eines der wesentlichsten gemeinschaftsbildenden
Momente der handwerklichen Zeit und damit der subjektiven Kultur
schlechthin in Wegfall gekommen: Der Grundcharakter konservativer
Ehrbarkeit, der heute nur noch hier und dort die Verkehrs⸗ und
Handelssitten auf dem flachen Lande bestimmt, und der zum größten
Teile auf dieser verlorengegangenen persönlichen Fühlungnahme
zwischen Produzent und Konsument beruhte, auf der Berührung
zwischen Handwerker und Käufer. Nur in den Gewerben des per⸗
sönlichsten Lebensbedarfes (Metzger, Friseur, Schuster, Schneider,
Modistin, Schlosser, Schreiber u. a.) ist die persoönliche Fühlung des
Herstellers mit dem Verbraucher noch teilweise vorhanden, und auch
da verschwindet sie mehr und mehr zugunsten der unpersönlichen
Leistung im mechanisierten Großbetrieb.
Nicht sehr viel anders als bei der Warenherstellung steht es beim
Warenvertrieb. In fortschreitendem Maße ist in den letzten Jahr⸗
zehnten des 19. Jahrhunderts durch den Typenkauf, die Bestellung
nach Mustern oder Musterbüchern, die unmittelbare Beziehung
zwischen Käufer und Verkäufer aufgehoben und damit die in der
mündlichen Warenanpreisung liegende Differenzierung überflüssig ge⸗
worden. Die Preisgleichheit der Warengattungen hat nicht nur mit
der Zahl der 2o⸗, zo⸗ und 50⸗Pfg.⸗Basare zugenommen, bildet nicht
nur einen integrierenden Bestandteil der händlerischen Ramsch⸗
propaganda, sondern bürgert sich auch in den soliden und reellen Ge⸗