Full text : Rationalisierung als Kulturfaktor

V. An wendungsge biete der Rationalisierung — 3. Das Handwerk 93
maschinen, der Vereinheitlichung der Produktion, der Verbesserung
der Kalkulation und des Absatzes möglich. Ein Fleischereibetrieb
ohne Kraft⸗ und Arbeitsmaschinen ist heute nicht mehr denkbar. Die
Bäckereibetriebe haben vielfach moderne Backmaschinen eingeführt.
Ebenso sind die Schmiede, Schlosser, Mechaniker, Klempner sowie
alle holzverarbeitenden Gewerbe heute mit Maschinen ausgerüstet.
Auch im Bauhandwerk hat die moderne Technik ihren Einzug ge⸗
halten. Die Vereinheitlichung der Produktion kann dort vor allem
durch die Normung der einzelnen Produktionsteile erfolgen. Die
Maßnormung ist zur Zeit in der Durchführung begriffen: 150 Normen⸗
blätter, die der deutsche Normenausschuß in Gemeinschaft mit dem
Forschungsinstitut für rationelle Betriebsführung im Handwerk aus⸗
gearbeitet hat, geben Normalmaße für Fenster, Türen, Installations⸗
gegenstaͤnde, Beschläge, Dachrillen, Abfallrohre, Baukeramik usw.
Auf die Maßnormung wird die Qualitätsnormung folgen müssen.
Die Normung der technischen Lieferungsbedingungen ist bereits im
vollen Gange. Für die Normung der allgemeinen Vergebungs⸗
bedingungen bietet die seit August 1926 eingeführte Reichsverdin⸗
gungsordnung die nötigen Anhaltspunkte. Die Rationalisierung
der Kalkulation kann vor allem in der Durchführung einer ge⸗
ordneten Buchführung bestehen. Auch die Einführung von Rechen⸗
maschinen und ähnlichen Hilfsmitteln ist in diesem Zusammenhang
von Wichtigkeit. Besondere Bedeutung kommt daneben der Reform
des Zahlungsverkehrs zwischen dem Handwerker und seinen Kunden
zu. Schon vor dem Kriege herrschte im Handwerk eine unertraͤgliche
Borgwirtschaft. Das Handwerk sieht neuerdings ein, daß mit diesem
Übelstand unter allen Umständen gebrochen werden muß. Die Hand⸗
werksverbände geben an ihre Mitglieder Richtlinien hinaus, in
denen auf die pünktliche Ausstellung der Rechnung und auf die Durch⸗
führung eines geordneten Mahnverfahrens gedrängt wird. Gleich⸗
zeitig haben die Innungen für ihre Mitglieder vielfach die Einziehung
von Außenstäͤnden übernommen. In engstem Zusammenhange mit
            
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