Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 68. Die Veränderungen der Arbeitszeit. 3 
des Vierteljahres (möglichen Arbeitstage). Von 100 Mitgliedertagen 
waren hiernach Arbeitslosentage?): 
im. 1: PIE: IV. Vierteljahr 
1909 82 5 1,4 
1910 0,7 2 1,2 
1911 ) ' 1,1 
1912 1,4 
1913 29 
Die Ziffern zeigen, wie die Depressionsperiode mit dem Jahre 1910 
definitiv überwunden ist, und wie das Ende der darauf folgenden Hoch- 
konjunktur schon im vierten Quartal 1912 durch die steigende Arbeits- 
losigkeit deutlich angezeigt wird. 
Zur Beleuchtung des Beschäftigungsgrades der deutschen Arbeiter- 
schaft wird auch im Reichsarbeitsblatt eine Statistik über die Bewegung 
der Zahl der in Arbeit stehenden Mitglieder der Krankenkassen ver- 
öffentlicht, wobei diejenige Steigerung dieser Zahl, die auf dem Bevöl- 
kerungszuwachs beruht, abgerechnet wird. Diese Statistik kann selbst- 
verständlich nur als ein Barometer für den Arbeitsmarkt benutzt 
werden. Als solches dürfte sie aber einen gewissen Wert beanspruchen 
können, da die Nachweisungen rund 5,7 Millionen Mitglieder umfassen 
(März 1912). 
Auch die Vermittlungstätigkeit der Arbeitsnachweise wird zur Be- 
leuchtung der Lage des Arbeitsmarktes herangezogen. Die Zahl der 
Arbeitsuchenden im Vergleich zur Zahl der offenen Stellen ist aber ein 
viel zu komplizierter Begriff, um die theoretische Erklärung der Ver- 
änderungen des Arbeitsmarkts mit ihm fördern zu können. 
$ 68. Die Veränderungen der Arbeitszeit. 
Im vorhergehenden haben wir diejenigen Veränderungen in der 
Zahl der beschäftigten Arbeiter untersucht, welche den von den Kon- 
junkturen bestimmten Schwankungen der Produktion entsprechen. Wir 
haben gefunden, daß die kapitalproduzierenden Industrien in der Hoch- 
konjunktur teils ihre während der Depression arbeitslos gewordenen 
Arbeiter wieder einstellen, teils Arbeitskraft von außen an sich ziehen, 
um diese Arbeitskräfte zum Teil wieder in der nächsten Depression 
abzustoßen. Es gibt aber auch eine andere Methode, die Arbeitskraft 
den Bedürfnissen der wechselnden Produktionstätigkeit anzupassen, 
nämlich durch Vermehrung oder Verminderung der täglichen Arbeits- 
zeit oder der Zahl der in der Woche geleisteten Arbeitstage, 
!) Reichs-Arbeitsblatt. 
Casse), Theoret. Sozialökonomie. 4. Aufl. 
515 
33
	        
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