DIE HEITERE ODER SATIRISCHE EPISODE IN DER KURORTWERBUNG 2687
Fest überzeugt bin ich, daß kleine Grotesken, Skizzen und
Plaudereien in der Art der nachfolgenden — die natürlich kein
unfehlbares „Muster“, sondern nur eine Anregung, ein unmaß-
Sebliches Beispiel sein sollen — von Hunderten von Zeitungen
an kleinen und mittleren Städten mit Vergnügen nachgedruckt
werden würden, wenn sie ihnen unentgeltlich angeboten und
überlassen werden. Natürlich darf man sich damit nicht an die
großen Herren unter den Zeitungen wenden, die nur Original-
arbeiten drucken. Die beiden Muster sind von zahlreichen
Blättern mit Behagen abgedruckt worden. Also ein Beweis für
die Richtigkeit meiner Ansicht. Aufklärend sei noch bemerkt,
daß die in grotesker Form behandelten Beschwerden auf Tat-
Sachen beruhen, also keine poetische Erfindung sind. Ruhig
kann ich verraten, daß ich beide drastischen Episoden während
Meiner Kurdirektortätigkeit selbst erlebt habe. Ich habe sie nur
in ein wirkungsvolleres Gewand gehüllt, damit sie die
gewünschte Wirkung auch wirklich ausüben können.
BESCHWERDE Nr. 2
Sinnend ruhten die sanften, braunen Mandelaugen des Kurdirektors,
Jenen seine schön geschwungenen Lippen so manchen süßen Kuß ver-
Jankten, als er noch nicht Kurdirektor und also noch jung und. schön
War, auf dem Beschwerdebrief des Herrn Schulze. Es war der siebente
heute, Eine böse Zahl, die sieben, In unserer Zeit des Mi£vergnügens gibt
°S so viele Langfinger. Warum eskamotiert einer nicht mal diese böse
Sieben aus unserer Zahlenreihe? U. A. w. g., meine verehrten Herren
Langfinger.
Frohwinkel, dieses schönste Winkel in einem der landschaftlich schön-
sten Teile Deutschlands, ist ein Dorado für jeden Besucher. Auch der
Kurdirektor könnte dort ein paradiesisches Dasein führen, wenn...!
Dieses „wenn“ — wie heißt doch das alte Sprichwort? Wenn das Wört-
Chen wenn nicht wär’, hätt’ ich tausend Taler mehr! — will ich mir heute
VON der schwerbeladenen Seele plaudern,
Herr Schulze ist glücklicher Besitzer eines Automobils, Das erfährt der
Kurdirektor aus Schulzens Brief, Er verrät ihm ferner, daß ein dienst-
eifriger Polizist — Herr Schulze, der mal was vom Übermenschen Nietz-
Sches gehört zu haben scheint, nennt ihn allerdings übereifrig — die
yisache war, daß Herrn Schulze ein polizeiliches Strafmandat zugestellt
urde, -
„Tatsächlich soll aber gar nicht Herr Schulze, sondern sein Kraftwagen-
führer besiraft werden. Und zwar deshalb, weil Herr Schulze an einem
Platze des Ortes, wo das Stänkern verboten ist, gestänkert hat. Das heißt,
dicht Herr Schulze selbst, wie zu seiner Ehrenrettung richtiggestellt
werden muß, sondern sein Automobil. Nun ist Herr Schulze auf der einen
Seite seiner gefühlvollen Brust gereizt und wütend, auf der anderen Seite