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‚DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
Der Verkehrsdirektor einer deutschen Fremdenstadt hatte
einen öffentlichen Vortrag über die Verkehrspropaganda und
Fremdenwerbung seines Ortes gehalten. Zu diesem Vortrag
hatte auch die lokale Presse ihre Berichterstatter entsandt. Er
war also in weitestgehendem Maße wirklich „öffentlich“. Der
Gedanke an sich ist nicht schlecht, die Öffentlichkeit über die
volkswirtschaftliche Notwendigkeit des Fremdenverkehrs auf-
zuklären, um So allseitige Unterstützung bei der Werbung für
diesen Verkehr zu finden. Aber, nun kommt der Fehler in dem
sonst richtigen Rechenexempel jenes Verkehrsdirektors. Er
plauderte nämlich offenherzig aus, daß er wegen der geringen,
ihm zur Verfügung stehenden Mittel auf die Zeitungsreklame
durch bezahlte Anzeigen verzichten müsse. Er habe aber einen
Ersatz, und zwar einen sehr erfolgreichen, für diese bezahlten
Anzeigen gefunden. Auch diesen „Ersatz“ schilderte der Ver-
kehrsdirektor in anschaulicher Weise. Wenn ich ihn hier
gleichfalls schildere, so geschieht es nicht, um zu seiner Nach-
ahmung anzuregen. Es soll vielmehr gezeigt werden, wohin
falsch angebrachte Mitteilsamkeit führen kann.
Man hatte einen Schriftsteller eingeladen, der mit einer Reihe
von Zeitungen und Zeitschriften feste Abmachungen wegen Be-
lieferung dieser Blätter mit feuilletonistischen Artikeln und
Plaudereien über jene Stadt getroffen hatte. Tatsächlich hätten
über zwanzig Zeitungen, meist große Blätter mit hunderttausen-
den von Auflagen, diese Werbeartikel abgedruckt und sich so
unbewußt in den Dienst der Propaganda gestellt. Ferner sei ein
umfangreicher wissenschaftlicher Aufsatz durch eine der an-
gesehensten Korrespondenzen an etwa zweihundert Zeitungen
gelangt. Auch er sei von zehn Zeitungen im ganzen Reiche
nachgedruckt worden. Der Wert dieser Verbindung habe darin
gelegen, daß der Verkehrsdirektor es nicht nötig hatte, den
Zeitungen Bitten um Aufnahme jener Artikel zu unterbreiten.
Die Verbreitung der Artikel sei vorher garantiert gewesen.
Dem Öffentlichen Charakter des Vortrages entsprechend,
wurde in der lokalen Presse natürlich auch über die kleine
Indiskretion berichtet. Auf diesem Umwege kam sie zu allge-
meiner, also auch zur Kenntnis der Berufsorganisationen des
Zeitungsgewerbes. Nach dem, was im Eingang über die psychi-
sche Einstellung der Presse gesagt wurde, wird es niemand
mehr wundernehmen, daß die Indiskretion einen Sturm der
Entrüstung auslöste. Für jene Stadt hatte die Sache böse