GEFÄHRLICHE INDISKRETIONEN BEI DER WERBUNG 38375
Folgen. Sie wurde öffentlich an den Pranger gestellt. Was mit
dieser Anprangerung gemeint war, braucht wohl nicht eingehend
erörtert zu werden. Die Zeitungsredaktionen wurden
durch Lieder ohne Worte aufgefordert, feuilletonistischen Ein-Sendungen
aus jener und über jene Stadt mit schärfstem Mißtrauen
zu begegnen. Mit deutlicheren Worten gesagt: sie zu
boykottieren.
Ein noch böserer „Dienst“ wurde durch die Indiskretion dem
Verfasser jener Werbefeuilletons erwiesen. Man riet den beteiligten
Zeitungen, jenen Schriftsteller über journalistische
Reinlichkeitspflichten und Anstandgefühle gründlich aufzuklären.
Veröffentlichung seines Namens wurde gefordert, damit
er nie wieder in die Lage kommen könne, den Zeitungen solche
Kuckuckseier ins Nest zu legen.
_ Indiskretionen dieser Art werden leider öfter begangen. Nicht
immer geraten sie an die große Glocke. Aber bei der regen
Aufmerksamkeit, die das Zeitungsgewerbe seit Jahr und Tag
solchen Erscheinungen zuwendet, darf man mit ziemlicher
Sicherheit annehmen, daß sie nicht dem Veilchen gleich im Verborgenen
blühen werden. Den Schaden davon hat aber die gesamte
Fremdenverkehrswerbung. Das ist auch der Hauptrund,
weshalb ich mich eingehender mit diesem Problem be-Schäftige
und immer wieder befassen werde, solange die
Fehler nicht verschwinden. Denn es muß auch dem Harmlosesten
einleuchten, daß Vorfälle dieser Art die Zeitungsredaktionen
immer vorsichtiger und mißtrauischer gegenüber allen
Einsendungen machen müssen, die irgendwie mit dem Fremdenverkehr,
dem Kur- und Bäderwesen sowie dem Hotel-Sewerbe
im Zusammenhang stehen. Der Fehler eines einzelnen
kann somit leicht zur Schädigung der Gesamtheit führen.
Kennern der Verhältnisse ist es nicht verborgen, daß es immer
Schwerer wird, die Zeitungsredaktionen sogar für solche Nach-Tichten
und Aufsätze aus Kur- und Badeorten, aus Fremden-Verkehrsgebieten
und -städten zu interessieren, welche tatsächlich
von Wichtigkeit für die Öffentlichkeit und weder offene
loch verkappte Reklame sind. Leidtragende werden besonders
die kleineren Plätze sein, die man in den Zeitungsredaktionen
Ihnehin schon mit anderen Maßen zu messen pflegt, als die
Sroßen, weltbekannten Orte.
Nun zum zweiten Fall. Der Kurverein eines deutschen Bade-Ortes,
er hat Weltruf, teilte im Bericht für seine Generalver-