DAS HOTEL- UND GASTGEWERBE
83. DAS „WOCHENENDE“ UND SEINE
ORGANISIERUNG
In dem Kapitel, das ich der Anzeigenzentrale des Reichsver-
bands der Deutschen Hotels, Restaurants und verwandter Be-
friebe, Hamburg, gewidmet habe, streife ich kurz das Wochen-
ende, jene englische Einrichtung, um deren Einführung man sich
jetzt überall auf dem Kontinent bemüht. Zum besseren Ver-
ständnis sei eine kurze Betrachtung über das Wesen dieses
Wochenendes vorausgeschickt sowie über die Gründe, welche
für seine allgemeine Einführung sprechen.
Das englische „Week-end‘, Wochenende, hat eine alte Tra-
dition. Es verdankt sein Dasein der englischen Arbeits- und
Freizeiteinteilung, die etwas so typisch Englisches hat, daß wir
auf dem Kontinent jahrelang von einer „englischen Tischzeit“
gesprochen haben. Diese englische Tischzeit, die identisch ist
mit durchgehender Arbeitszeit, steht im engen Zusammenhang
mit dem englischen Wochenende. Das eine ist aus dem anderen
heraus entstanden. Die Vorzüge dieser Einrichtung sind augen-
fällig. Doch müßte zunächst die Frage erörtert und geklärt
werden:
Soll man das Week-end im rein englischen Sinne anstreben?
Oder ist es ratsamer, nur den Grundgedanken zu übernehmen,
die Einrichtung des Wochenendes aber so auszugestalten, daß
die eigenen Belange und Verhältnisse sowie der eigene Volks-
charakter dem Wochenende ihr natürliches Gepräge auf-
drücken?
Die Frage ist leicht und schnell beantwortet. Das englische
Week-end ist in London entstanden und basiert auf echt eng-
lischen Gepflogenheiten und Gewohnheiten. Die ungeheure
Ausdehnung Londons, der Charakter der „City“ als reines Ge-
schäftsviertel — Wohnungen gibt es in der Londoner City fast
gar nicht — zwangen dazu, die privaten Haushalte in die Peri-