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DAS HOTEL UND GASTGEWERBE
verstehen ist, was alles geboten werden kann. In einer deutschen
Großstadt, in München, wurde im Herbst 1924 ein Ladengeschäft
eröffnet, in dem ganz neuartige Beleuchtungseffekte ange-
wendet worden waren. Also nicht einmal Lichtreklame, sondern
nur Innenbeleuchtung. Dichte Scharen Neugieriger standen
vor dem Haus und drückten sich an den Schaufenstern die
Nasen. platt. Im Sommer 1914, zehn Jahre früher, würde
höchstens ein Bäuerlein aus Dachau, das zum ersten Mal nach
München kam, Augen und Mund aufgerissen haben! So wenig
waren wir von 1914 bis 1924 an Lichtreklame gewöhnt und
durch Lichtreklame verwöhnt worden.
Iın Herbst 1924 ist diese außerordentlich wirkungsvolle Art
der Reklame von Herrn Bureaukratius wieder freigegeben
worden. Nun konnte sich auch in Deutschland die Phantasie
wieder mit dem Ausdenken verblüffender Lichteffekte an den
Häusern und in der Luft beschäftigen. Nun werden sich auch
die Kurorte, Hotels, Fremdenheime und Gaststätten aller Art
der Lichtreklame wieder bedienen müssen, wenn sie im immer
härter werdenden Konkurrenzkampf erfolgreich bleiben wollen.
Es erscheint mir deshalb angebracht, zunächst einmal auf das
hinzuweisen, was jenseits des großen Teiches, in den Mammut-
städten der U. S. A., New York, Chicago, San Francisco usw.,
auf dem Gebiete der Lichtreklame geleistet wird. Ein In-
dustrieller, der New York und andere amerikanische Groß-
städte besuchte, schilderte seine Eindrücke in einem Vortrags-
abend der Volkswirtschaftlichen Gesellschaft in fesselnder
Weise.
Jedem Besucher New Yorks, so sagte er, fällt vor allem die
geradezu beispiellose Entwicklung der Reklame auf, die alle
Hilfsmittel der modernen Technik in ihren Dienst stellt. Man
denke sich, daß Flugzeuge hoch oben ihre Kreise ziehen und
aus farbigem Rauch Buchstaben bilden, deren Zusammen-
setzung die Anpreisung irgendeines Fabrikats bildet. Reklame-
bilder sind in riesenhaften Quadraten auf niedrigen Häusern
aufgebaut. Man findet auf drei Stockwerk hohen Häusern 3 bis
4 Stock hohe Reklamebilder. Der Fremde, der abends aus der
Untergrundbahn steigt, sieht einen sinnverwirrenden Reigen
von weißen, roten, grünen und blauen Farben der Lichtre-
klamen, darunter leuchtende Glocken, die zu schlagen scheinen,
leuchtende Vögel mit sich bewegenden Flügeln u. a. m.
Der bekannte Münchner Komiker Weiß Ferdl schilderte