Full text: Meer und Weltwirtschaft

und mitteleuropäischen Staaten verlangen, wenn sie nicht verhun- 
gern oder in dem VUeberfluß ihrer erzeugten Waren ersticken 
wollen, Erweiterungen und Ergänzungen ihrer heimischen Volks- 
wirtschaft, sie verlangen über See gelegene Rohproduktionsmärkte 
und Absatzgebiete. Die Kenntnis von der Lage und der Beherr- 
schung der Wege, die nach diesen außereuropäischen Gebieten 
führen, ist für uns, die wir uns früher und jetzt wieder auf den 
Hochbahnen des Weltverkehrs bewegen, ein wichtiges Erfordernis. 
Wirtschaftsgeographisch und weltpolitisch ist es wichtig, neben 
dem Wege die Zeit zu wissen, die Menschen und Waren zum 
Transport benötigen. Von der Natur der Waren ist es abhängig, ob 
sie einen langen oder kurzen Weg vertragen. Wie auf den Fest- 
landwegen durch Eisenbahn und Kraftfahrzeug immer größere 
Fahrgeschwindigkeiten angestrebt werden, so auch durch die Schiffe 
auf den Seewegen. Die Neuzeit hat es gegenüber den früheren Jahr- 
hunderten, in denen die Schiffahrt das Privileg weniger, von der 
Natur bevorzugten Völker war, zu erheblichen Mehrleistungen ge- 
bracht, allerdings nicht ganz in dem Grade wie die Beförderungs- 
mittel zu Lande. 
Die mittlere Tagesleistung der Schiffahrtgeschwindigkeit ergab im Altertum 
rund 3 Knoten (Seemeilen) in der Stunde. Bei gutgebauten Ruderschiffen ist 
eine doppelte Geschwindigkeit anzunehmen. Im Schiffbau wie in der Fahr- 
geschwindigkeit waren die Karthager, die Engländer des Alter- 
tums, allen anderen Völkern überlegen. Sie erreichten von ‚Karthago aus 
die Säulen des Herkules durch Tag- und Nachtfahrt in 7 Tagen; das ergibt 
eine 5-Knoten-Geschwindigkeit, Als höchste Geschwindigkeit auf einer größeren 
Strecke kann man, 6 Knoten in der Stunde annehmen, die sich aus einer Fahrt 
des Valerius Maximus von Puteoli nach Alexandrien (in 9 Tagen) er- 
mitteln läßt. Die außerordentlich kurze Zeit von 9 Stunden, d. h. reichlich 
T Knoten oder 13 km in der Stunde, für die Ueberfahrt von Brundisium nach 
Corcyra des Aemilius Paulus dürfte weder im Altertum noch im Mittel- 
alter öfter wiederholt worden sein. 
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