Full text: Meer und Weltwirtschaft

Mit der Schnelligkeit von fünf Knoten oder nahezu zehn 
Kilometern in der Stunde rechnete man als Höchstleistung im gam- 
zen Mittelalter und als Durchschnittsleistung für die Segelschiffahrt im 
ozeanischen Verkehr bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die 
Leistungen der modernen großen Segler lassen, wie schon Dink- 
lage in den „Analen der Hydrographie und maritinen Meteorolo- 
gie‘ ausgeführt hat, dieses Maß nicht mehr gelten. Wenn die im 
Jahre 1910 an den Klippen von Dover gestrandete ‚„Preußen‘‘ 
1903 vom Kanal aus in 57 Tagen (16. Februar bis 1. Mai) nach 
Iquique an der Salpeterküste Südamerikas segelte, hat sie die ab- 
zusegelnde Entfernung von 9940 Seemeilen mit einer durchschnitt- 
lichen Geschwindigkeit von 7% Knoten überwunden; einzelne 
Strecken wurden sogar mit 14 bis 18 Knoten in der Stunde ge- 
nommen. Das alles ist eine Leistung, die dem gewöhnlichen Ozean- 
frachtdampfer nichts nachgibt, die keinem andern Segler auf gleich 
großer Strecke bisher gelungen ist, und die die Geschwindigkeiten 
der berühmten englischen Klipperschiffe der fünfziger und 
sechziger Jahre des vergangenen Säkulums wieder einholt. Die 
größten Seefahrtgeschwindigkeiten, 23% bis 25 und 
mehr Knoten in der Stunde werden auf dem Atlantischen Ozean 
erzielt; vor dem Kriege von den Dampfern, den „Ozeanwindhun- 
den‘‘, der großen deutschen und englischen Reedereien (vgl. Abb. 
9). Heute legt die neu entstandene deutsche Ozeanfahrt weniger 
Wert auf eine Rekord-Schnelligkeit als vielmehr auf angenehme 
und bequeme Fahrt und auf gute Ausstattung und Verpflegung, 
überhaupt auf die Qualität der Schiffe. Eine Neuerung sind für die 
Passagierschiffahrt die „formstabilen Anschwellungen‘‘, die eine 
auffallend große Stabilität bei Seegang gewährleisten, weshalb der- 
artig ausgestattete Schiffe, wie „Albert Ballin‘*, „Deutschland‘‘ 
und „New York‘ von der Hamburg-Amerika-Linie, „Schiffe ohne 
Seekrankheit‘‘ genannt werden. Nebenbei sei bemerkt, daß außer
	        
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