318 Einundzwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
halten. Die Verhandlungen über diesen Punkt zogen sich
jahrelang hin; endlich, gegen Ende 1694, trat Friedrich
Schwiebus ab, gegen Anerkennung des Titels „Herzog in
Preußen“, den der Kaiser seinem Hause bisher nicht gewährt
hatte.
Inzwischen, im Jahre 1693, hatte Friedrich gegen den
Rat seiner Minister in Wien schon die Erlangung der Königs—
würde berührt. Zunächst gänzlich erfolglos. Doch das irrte
den Kurfürsten nicht, der in gewissen Dingen, namentlich auch
in Titelfragen, von bemerkenswerter Zähigkeit war. Im Jahre
1698 begann er von neuem zu verhandeln: nunmehr, nachdem
er die Abneigung in Wien, einen Kurfürsten zum Königstitel
zuzulassen, genügend kennen gelernt hatte, und inzwischen sich
zum sächsischen Kurhute die polnische Königskrone und zum
hannoverschen Kurhute die Aussicht auf ein englisches Königtum
gesellt hatte oder zu gesellen begann, in dem Sinne, daß er
die Königswürde nur für sein im Jahre 1694 anerkanntes
Herzogtum in Preußen begehrte.
In diesem Momente der Verhandlungen aber kam es zu
einer sehr merkwürdigen Unterstützung der brandenburgischen
Wünsche. Ein italienischer Jesuitenpater, Vota, kam nach
Berlin, mischte sich in die Angelegenheit, indem er das Wohl—⸗
gefallen des Kurfürsten und noch mehr seiner geistreichen Ge—
mahlin Sophie Charlotte gewann, und suchte für sie, nachdem
die Zustimmung Augusts des Starken erreicht war, der eben
damals Brandenburgs politisch und militärisch bedurfte, vor
allem die polnischen Magnaten zu gewinnen, deren Stolz ein
preußisches Königtum in der Nachbarschaft ihrer monarchischen
Republik zunächst unerträglich gefunden hatte. In der Tat gelang
ihm das, nicht zum geringsten durch eine geschickte Formulierung
des Titels, der, angelehnt an den Herzogstitel, nicht König
von Preußen, sondern König in Preußen lauten sollte.
Und, nicht minder merkwürdig, ungefähr zur selben Zeit
verwandte sich auch in Wien ein Jesuit, der Pater Friedrich
von Lüdinghausen, genannt Wolff, der bei Kaiser Leopold J.
viel galt, im Interesse der brandenburgischen Wünsche — an⸗